Emotionale Rückkehr nach fünf Jahrzehnten
Fünfzig Jahre nach ihren Abiturprüfungen sind die Absolventen des Jahrgangs 1976 des GutsMuths-Gymnasiums in Quedlinburg an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. In der Aula des Gymnasiums im Konvent fand am 14. März die Feierstunde zum goldenen Abitur statt, die von der Schule traditionell für solche Jubiläen ausgerichtet wird.
Blättern in der Vergangenheit
Schulleiter Dirk Gärtner öffnete für die Ehemaligen die historischen Klassenbücher der vier zwölften Klassen, was bei den Anwesenden für besondere Momente sorgte. „Ein Traum“, kommentierte Gärtner diesen Einblick in die Schulgeschichte. Die früheren Schüler konnten es kaum erwarten, selbst in den Dokumenten zu blättern und Erinnerungen aufzufrischen.
Wiedersehen mit gemischten Gefühlen
Das Treffen nach einem halben Jahrhundert war von bewegenden Erfahrungen geprägt. Hartmut Hoffmann gestand, dass er anfangs nur die Hälfte seiner Mitschüler aus der Klasse 12/2 wiedererkannt habe. Norbert Schneemilch ergänzte humorvoll: „Mich haben fast alle nicht erkannt“, und verwies auf seine damals schlankere Jugendfigur. Heinrich Pertsch betonte die emotionale Wirkung des Empfangs: „Was die Schule auf die Beine gestellt hat mit diesem Empfang, das ging ans Herz.“
Ein Baum als bleibendes Symbol
Die ehemalige Klasse 12/2 nutzte das Jubiläum für eine besondere Geste: Sie spendete der Stadt Quedlinburg eine junge Eiche, die nun im Aulnoye-Aymeries-Park gegenüber dem Bahnhof wurzelt. Veronika Brückner erklärte die Bedeutung: „Sie soll für Kraft, Leben und Gesundheit stehen und für uns, die wir immer nochmal nach Quedlinburg kommen, zeigen: Wir haben etwas Bleibendes gepflanzt.“
Baumspenden in Quedlinburg
Diese Eiche ist bereits die zweite Baumspende an die Stadt im Jahr 2026. Laut städtischen Angaben werden jährlich etwa fünf bis zehn Bäume von Privatpersonen und Unternehmen gestiftet, im vergangenen Jahr waren es neun. Häufige Anlässe sind:
- Firmenjubiläen
- Ehrungen von Vereinsmitgliedern
- Der Wunsch, für nachfolgende Generationen etwas Dauerhaftes zu schaffen
Die Standorte für solche Baumspenden sind oft repräsentativ und prägen langfristig das Ortsbild. Besonders der Brühl erfreut sich bei Spendern großer Beliebtheit. Viele Spender wünschen sich zudem einen Gedenkstein am Baum, der ihren Namen und den Spendenanlass dokumentiert – so auch bei der Klasse 12/2 von 1976.
Organisation mit emotionalen Hürden
Veronika Brückner und ein ehemaliger Mitschüler arbeiteten seit November 2025 daran, alle Klassenkameraden einzuladen – eine anspruchsvolle Aufgabe, da viele weggezogen waren oder neue Kontaktdaten hatten. Dabei erfuhr Brückner auch von verstorbenen Mitschülern: „Als wir 1972 an die Schule kamen, waren wir 27. Jetzt sind wir 17. Es ist schon emotional.“
Wert des Erfahrungsaustauschs
Für Brückner machen gerade die unterschiedlichen Lebenswege den Wert solcher Treffen aus: „Die verschiedenen Lebenserfahrungen, die jeder mitbringt, die unterschiedlichen Biografien, das ist interessant. Wo jemand es schwer hatte, in dieser Zeit wieder Fuß zu fassen, weil er etwas ganz anderes studiert hat, sich neu zu orientieren – das ist eine Erfahrung, wo man sagt, okay, du bist ja gar nicht allein auf dieser Strecke.“
Historischer Hintergrund der Schule
Das GutsMuths-Gymnasium am Konvent in Quedlinburg blickt auf eine lange Tradition zurück. Selbst während der DDR-Zeit als Erweiterte Oberschule trug die Institution bereits den Namen des 1759 in Quedlinburg geborenen Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths, dessen pädagogisches Erbe bis heute fortwirkt.



