Brandenburgs Bildungsminister Hoffmann: „Keine Denkverbote“ im Kampf gegen Rekord-Lehrermangel
Hoffmann: Keine Denkverbote gegen Lehrermangel in Brandenburg

Brandenburgs Bildungsminister Hoffmann: „Keine Denkverbote“ im Kampf gegen Rekord-Lehrermangel

Brandenburgs neuer Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) übernimmt ein heißes Eisen: Das Bildungsressort, das zuvor über drei Jahrzehnte von der SPD geführt wurde, steht vor gewaltigen Herausforderungen. Im kommenden Schuljahr erwartet der Minister sowohl einen Rekord beim Lehrermangel als auch bei den Schülerzahlen – eine doppelte Belastung für das Bildungssystem.

Zwei Rekorde und eine schwierige Ausgangslage

„Ich will den Menschen reinen Wein einschenken“, sagt Hoffmann im Gespräch. Die Situation sei noch schwieriger als im vergangenen Schuljahr, trotz der geplanten 250 zusätzlichen Lehrerstellen. Ein zentrales Problem: Im letzten Schuljahr wurden etwa 440 Seiteneinsteiger weniger eingestellt als im Jahr davor, weil Stellen gekürzt wurden. „Die Seiteneinsteiger, die wir letztes Jahr nicht befristet eingestellt haben, können wir dieses Jahr nicht unbefristet übernehmen“, erklärt der Minister die komplexe Personalplanung.

Die Unterrichtsabsicherung im Vorjahr erfolgte durch Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung bestehender Lehrkräfte – eine Notlösung, die an ihre Grenzen stößt. Hoffmann betont: „Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage: ‚Schwierig, aber wir kriegen es alles hin‘, und am Ende kriegen wir es doch nicht hin, dann habe ich sofort die erste Enttäuschung produziert.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Arbeitsgruppe ohne Denkverbote

Zur Bewältigung der Krise setzt Hoffmann auf eine bereits von seinen Vorgängern eingesetzte Ad-hoc-Arbeitsgruppe, die er weiterführen lässt. „Ich will den Ergebnissen jetzt nicht vorgreifen, aber es gibt keine Denkverbote“, versichert der Bildungsminister. Seine Verantwortung sieht er zweifach: „Ich habe nicht nur Verantwortung für die Lehrkräfte, sondern auch für 320.000 Schülerinnen und Schüler in diesem Land.“

„Von der Bildung dieser Kinder hängen nicht nur ihre persönlichen Zukunftschancen ab, sondern auch die Zukunft des Landes. Deshalb hat das für mich Priorität“, unterstreicht Hoffmann die Bedeutung der aktuellen Herausforderungen.

Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive mit zusätzlicher Deutschstunde

Ein zentrales Projekt der neuen Bildungspolitik ist die Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive. Kritik von der Opposition im Landtag gibt es für die geplante zusätzliche Deutschstunde, die nur für ein Jahr innerhalb der Grundschuljahre gelten soll. Hoffmann verteidigt den Ansatz: „Zum einen dürfen wir nicht vergessen, dass auch der Tag von Kindern nur eine begrenzte Anzahl von Stunden hat.“

Zudem müsse jede zusätzliche Stunde personell untersetzt werden: „Es macht keinen Sinn, eine Stunde in den Plan zu schreiben, wenn man am Ende nicht sicherstellen kann, dass sie auch wirklich erteilt wird.“ Den Vorwurf der „Mogelpackung“ weist er zurück und betont, die zusätzliche Deutschstunde sei nur ein Baustein der umfassenden Offensive.

Herausforderungen im Kitabereich

Auch im frühkindlichen Bereich sieht Hoffmann Handlungsbedarf. Angesichts rückläufiger Kinderzahlen und bereits geschlossener Kitas denkt der Minister über Sonderwege für kleine Kitas auf dem Land nach. „Wir sind weit davon entfernt, ein Konzept vorlegen zu können“, räumt er ein, „aber wir sehen, dass das Netz an Betreuungsangeboten im ländlichen Raum damit nochmal vor Herausforderungen gestellt wird.“

Für mögliche Lösungen müssten verschiedene Parameter einfließen:

  • Zusätzliche benötigte Ressourcen
  • Finanzierungsmöglichkeiten
  • Kriterien wie Erreichbarkeit für ein flächendeckendes Netz

„Die oberste Richtschnur ist immer das Kindeswohl“, betont Hoffmann. „Ab einer bestimmten Größe ist die Einrichtung vielleicht dann einfach doch zu klein.“

Bewegungsförderung in Kitas

Ein weiterer Schwerpunkt ist die verstärkte Bewegungsförderung in Kindertagesstätten. „Fakt ist: Wir erleben überall, dass die motorische Entwicklung heutzutage nicht mehr so den Stellenwert hat wie früher“, analysiert der Minister. Während früher Kinder auf dem Feld und im Wald spielten, habe sich dies heute verlagert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Bereits existierende Kooperationen zwischen Kitas und Sportvereinen sollen ausgebaut werden. Drei zusätzliche Dozentenstellen am Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg beschäftigen sich speziell mit der Integration von Bewegungsförderung. Zudem plant Hoffmann, über die Kultusministerkonferenz entsprechende Schwerpunkte in die Curricula der Erzieherausbildung aufnehmen zu lassen.

Vom „stinkend faulen“ Schüler zum Bildungsminister

Die persönliche Geschichte des Ministers ist ungewöhnlich: Gordon Hoffmann, 1978 in Perleberg geboren, beschreibt sich selbst als Schüler „stinkend faul“. Er brach eine Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer ab, wurde auf dem zweiten Bildungsweg Erzieher und studierte danach Soziale Arbeit.

Seit 2009 ist er Landtagsabgeordneter und war lange für Bildungspolitik zuständig. 2018 wurde er Landesgeschäftsführer der CDU Brandenburg, ein Jahr später Generalsekretär. Seit März 2026 leitet er das Bildungsressort in der rot-schwarzen Brandenburger Regierung. Sein ehemaliger Klassenlehrer meldete sich bei ihm und sagte laut Hoffmann, er sei „sehr stolz darauf, dass sein ehemaliger Schüler am Ende doch noch irgendwo angekommen ist“.