Streit um Altersabminderung für Thüringer Lehrkräfte spitzt sich zu
Das Thüringer Bildungsministerium plant eine deutliche Anhebung der Altersgrenze für Abminderungsstunden bei Lehrkräften. Bisher konnten Pädagogen im Freistaat ab dem vollendeten 55. Lebensjahr zwei Unterrichtsstunden pro Woche weniger geben. Nach den neuen Plänen soll diese Regelung erst ab einem Alter von 60 Jahren greifen.
Neue Staffelung der Altersabminderung geplant
Die vorgesehene Neuausrichtung sieht eine gestaffelte Abminderung vor: Ab dem 63. Lebensjahr sollen drei Stunden reduziert werden, ab 66 Jahren dann vier Wochenstunden. „Damit entsteht ein gezielter Anreiz, erfahrene Lehrkräfte über das 63. Lebensjahr hinaus im aktiven Schuldienst zu halten“, begründete das Bildungsministerium die Maßnahme in einer offiziellen Mitteilung. Die Regierung erhofft sich davon eine bessere Nutzung der Berufserfahrung älterer Pädagogen.
Gewerkschaft lehnt Pläne entschieden ab
Die Thüringer Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) positioniert sich klar gegen die Vorhaben. Sie kritisiert „Bestrebungen zur Verschlechterung bei der Altersabminderung“ und wirft der Landesregierung vor, verfehlte Schulpolitik auf dem Rücken der Lehrkräfte austragen zu wollen. „Die meisten Lehrkräfte nehmen Einbußen in Kauf, um so schnell wie möglich in den Ruhestand zu wechseln“, argumentiert die GEW und verweist auf die hohen Belastungen und schwierigen Arbeitsbedingungen im Schulalltag.
Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets
Die geplante Umstrukturierung der Altersabminderung ist eingebettet in ein umfangreiches Paket gegen Unterrichtsausfall, das insgesamt 20 verschiedene Maßnahmen umfasst. Zum Schuljahr 2026/2027 soll dieses Programm starten. Bildungsminister Christian Tischner (CDU) betonte: „Unser Maßnahmenpaket verfolgt ein klares Ziel: mehr Unterricht für unsere Schülerinnen und Schüler, spürbare Entlastung für Lehrkräfte und ein Bildungssystem, das die Erfahrung seiner Lehrkräfte besser nutzt.“
Neues Arbeitszeitmodell und Bürokratieabbau
Zu den weiteren geplanten Veränderungen gehören:
- Ein neues Arbeitszeitmodell, das es Lehrkräften ermöglicht, zusätzlich geleistete Unterrichtsstunden anzusparen und später auszugleichen
- Die Abschaffung dienstlicher Beurteilungen zur Entlastung von Bürokratie
- Vereinfachung von Dokumentationspflichten und Zeugnisformularen
- Entfall des Kompetenztests in Klassenstufe 6
- Einsatz Künstlicher Intelligenz bei Unterrichtsvorbereitung und Elternkommunikation
Das Ministerium kündigte zudem an, Ausbildungskapazitäten weiter auszubauen und die Lehrergewinnungskampagne neu auszurichten. Bisher gab es keine genauen Vorgaben, welche Aufgaben Lehrkräfte in ihren Abminderungsstunden erledigen sollten. Die Neuausrichtung soll sicherstellen, dass ein größerer Anteil der Arbeitszeit wieder unmittelbar den Schülerinnen und Schülern zugutekommt.



