Erstmals seit zehn Jahren: Weniger Unterrichtsausfall an Sachsens Schulen
Sachsens Schulen können aufatmen: Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist der Unterrichtsausfall im Freistaat gesunken. Im ersten Schulhalbjahr 2025/26 fielen planmäßig nur noch 3,3 Prozent der Unterrichtsstunden aus. Im Vorjahr lag diese Quote noch bei 3,7 Prozent. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) spricht von einem "klaren Trend nach unten" und betont: "Die Richtung stimmt. Die Maßnahmen wirken."
Oberschulen verzeichnen deutlichen Rückgang
Besonders deutlich zeigt sich die positive Entwicklung an den Oberschulen in Sachsen. Dort sank der Unterrichtsausfall von 8 auf 5,9 Prozent – ein Rückgang von über einem Viertel. Auch Gymnasien und Förderschulen stehen besser da: An Gymnasien fielen nur noch 1,5 Prozent der Stunden aus, an Förderschulen 7,9 Prozent.
Umstrittenes Maßnahmenpaket zeigt Wirkung
Hinter dem Erfolg steckt ein umfangreiches und teilweise kontrovers diskutiertes Maßnahmenpaket mit 21 Punkten. Zu den zentralen Elementen gehören:
- Mehr Abordnungen von Lehrkräften zwischen Schulen
- Weniger Entlastungsstunden für Pädagogen
- Strengere Regeln für Vertretungsunterricht
Rund 5.000 der insgesamt 31.000 Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen wurden zeitweise an andere Schulen versetzt. Kultusminister Clemens erklärt dazu: "Man kann sagen, die Lehrkräfte kommen jetzt dort an, wo sie gebraucht werden." Kritik von Gewerkschaften wie der GEW sei durch die Entwicklung nicht bestätigt worden.
Stabilität trotz Herausforderungen
Bemerkenswert ist, dass der außerplanmäßige Unterrichtsausfall mit 5,8 Prozent stabil blieb – und dies trotz der Streiks im Januar 2026. Dies unterstreicht die Robustheit des neuen Systems, auch in schwierigen Phasen.
Schattenseiten und regionale Unterschiede
Der Erfolg hat allerdings auch Schattenseiten. An Grundschulen stieg der Unterrichtsausfall leicht von 0,9 auf 1,4 Prozent. Grund dafür ist, dass viele Lehrerinnen und Lehrer an Oberschulen und Gymnasien abgeordnet wurden, wo der Bedarf besonders hoch war.
Regional profitieren vor allem das Erzgebirge und die Oberlausitz von der positiven Entwicklung. Dort läuft bereits ein Modellversuch, bei dem Schulen gezielt Lehrerinnen und Lehrer austauschen können.
Noch nicht am Ziel
Für Kultusminister Clemens ist klar: "Wir sind noch nicht am Ziel." Der eingeschlagene Kurs soll mindestens bis zur Auswertung in fünf Jahren beibehalten werden. Denn trotz des erfreulichen Rückgangs gilt weiterhin: Jede zehnte Stunde an Sachsens Schulen fällt aus oder wird vertreten.
Die Entwicklung zeigt, dass gezielte Maßnahmen gegen den Lehrermangel Wirkung zeigen können, auch wenn sie nicht alle Schulformen gleichermaßen profitieren. Die Bildungslandschaft in Sachsen befindet sich im Wandel – mit ersten sichtbaren Erfolgen, aber auch mit Herausforderungen, die weiterhin bewältigt werden müssen.



