IW-Prognose: Deutschlands Bevölkerung schrumpft erstmals seit Jahren wieder
IW-Prognose: Bevölkerung Deutschlands schrumpft wieder

IW-Prognose: Deutschlands Bevölkerung schrumpft erstmals seit Jahren wieder

Die jahrelange Wachstumsphase der deutschen Bevölkerung ist laut aktuellen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vorbei. Die Experten prognostizieren nun eine Trendwende: Statt des erwarteten moderaten Anstiegs wird die Einwohnerzahl mittelfristig deutlich sinken. Bis zum Jahr 2045 rechnet das arbeitgebernahe Institut mit einem Rückgang um 2,9 Prozent auf etwa 81,1 Millionen Menschen.

Zuwanderung reicht nicht mehr aus

Hauptgrund für diese demografische Kehrtwende ist die deutlich gesunkene Zuwanderung nach Deutschland. Laut den IW-Berechnungen reichte die Migration zuletzt nicht mehr aus, um die durch Sterbefälle abnehmende Bevölkerungszahl auszugleichen. Im vergangenen Jahr sank die Einwohnerzahl bereits um 100.000 auf 83,5 Millionen. „Klammert man das erste Jahr der Pandemie aus, war es der erste Rückgang seit 2010“, erklärt IW-Experte Philipp Deschermeier die bedeutende Veränderung.

Die Entwicklung markiert einen deutlichen Kontrast zu den vorangegangenen Jahren. Zwischen 2010 und 2024 war die Bevölkerungszahl noch von 80,3 auf 83,6 Millionen gestiegen. Dieser Anstieg wurde maßgeblich durch mehrere Faktoren ermöglicht: die Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union, die Flüchtlingsmigration sowie den wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre.

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Demografische Herausforderungen verschärfen sich

Die aktuelle Prognose zeigt jedoch, dass sich die demografischen Rahmenbedingungen grundlegend geändert haben. Im vergangenen Jahr kamen nur noch 250.000 Menschen mehr nach Deutschland als abwanderten, während gleichzeitig die Zahl der Sterbefälle die Geburtenzahl um etwa 350.000 überstieg. Diese negative Entwicklung wird sich laut den Experten in den kommenden Jahren noch verstärken, da die alternde Gesellschaft zu höheren Sterbezahlen führt.

Der IW-Ökonom führt den Bevölkerungsrückgang vor allem auf zwei Faktoren zurück: das Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs und die Maßnahmen der Bundesregierung zur Begrenzung der Migration. In Extremfällen könnte die Einwohnerzahl bis 2045 sogar auf knapp 78 Millionen fallen, abhängig von der weiteren Entwicklung der Zuwanderung.

Warnung vor wirtschaftlichen Folgen

Die sinkende Bevölkerungszahl hat nach Ansicht der Experten erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. „Arbeitsmarkt und Sozialversicherung könnten viel früher und stärker unter Druck geraten als bislang befürchtet“, warnt Deschermeier. Bei schrumpfender Bevölkerung sinke automatisch auch das wirtschaftliche Potenzialwachstum des Landes.

Besonders problematisch ist die Situation für die Sozialsysteme: Bereits heute verschärfen 20 Millionen Rentner die Belastung der Rentenkassen. Ohne Gegenmaßnahmen droht diese Belastung durch den demografischen Wandel weiter zuzunehmen.

Forderungen an die Politik

Angesichts dieser Prognosen fordert der IW-Experte konkrete politische Maßnahmen. Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte müsse erleichtert werden, um den negativen Trend abzumildern. Konkret schlägt Deschermeier vor:

  • Schnellere Visaverfahren für Fachkräfte aus dem Ausland
  • Vereinfachte Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse
  • Gezielte Anwerbestrategien für benötigte Berufsgruppen

Ohne solche Maßnahmen droht Deutschland nicht nur ein quantitativer Bevölkerungsrückgang, sondern auch qualitative Einbußen bei der Fachkräfteversorgung. Die demografische Entwicklung stellt damit eine der zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte dar.

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