In Mecklenburg-Vorpommern steht eine der ältesten Herzsportgruppen vor dem Aus. In Ludwigslust droht das Ende einer 50-jährigen Tradition, weil der betreuende Arzt Dr. Hans-Peter Lüdemann sich im Sommer in den Ruhestand verabschiedet. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Dies ist kein Einzelfall: Landesweit fehlen Ärzte und Übungsleiter für Herzsportgruppen.
Ludwigsluster Herzsportgruppe feiert 50-jähriges Bestehen
Im Oktober 2025 feierten die beiden Ludwigsluster Herzsportgruppen ihr 50-jähriges Bestehen. Dr. Hans-Peter Lüdemann, der die Gruppen seit ihrer Gründung 1975 medizinisch betreut, kündigte damals an, sich im Sommer 2026 zurückzuziehen. Seitdem rückt der letzte Trainingstermin am 29. Juni näher – doch ein Nachfolger ist nicht gefunden. Ohne ärztliche Betreuung dürfen die Gruppen nicht weitergeführt werden.
Landesweit fehlen Ärzte und Übungsleiter
Der Landesverband für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (LVPR) MV zählt rund 100 Herzsportgruppen mit 1700 Teilnehmern. Doch der Bedarf ist größer: In Stralsund, Grimmen, Parchim, Crivitz, Pasewalk, Torgelow, Neustrelitz und Güstrow fehlen Angebote. In Neubrandenburg sank die Zahl der Gruppen von sechs auf vier, in Schwerin gibt es nur noch zwei. In Wismar ruhen zwei von vier Gruppen, weil der Übungsleiter verstorben ist. Selbst in Rostock, wo die meisten Gruppen existieren, gibt es Bedarf für weitere – aber es fehlen approbierte Ärzte.
„Ohne medizinische Überwachung darf eine Gruppe nicht durchgeführt werden“, betont Ulli Zaumseil, Geschäftsführer des LVPR. Die Teilnehmer haben schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erholen sich von einem Herzinfarkt. Das Training soll die Leistungsfähigkeit steigern, aber Überanstrengung kann gefährlich sein.
Gründung der ältesten Herzsportgruppe in der DDR
Dr. Hans-Peter Lüdemann begann in den 1970er-Jahren in der DDR seine Facharztausbildung. Damals starben 50 Prozent der Herzinfarktpatienten, die Überlebenden waren oft schwer geschädigt. Reha-Plätze gab es kaum. „Die Therapie bestand vor allem in Bettruhe, was zu Kreislaufschwäche und Muskelschwund führte“, erinnert er sich. Sein Professor an der Charité Berlin erkannte die fatalen Folgen und regte Änderungen an. Als Kreiskardiologe in Ludwigslust nutzte Lüdemann das Herzinfarkt-Register, um Betroffene zu erreichen und für Sport zu begeistern.
Am 19. Oktober 1975 gründete er die erste Herzsportgruppe im Bezirk Schwerin. Heute ist sie die dienstälteste in MV und die einzige, die durchgehend vom selben Arzt betreut wurde. Zwei nach Leistungsniveau geteilte Gruppen stehen nun vor dem Aus. Viele Teilnehmer haben ärztliche Überweisungen für 90 Übungseinheiten in zwei Jahren, oft mit Verlängerung. Ulli Zaumseil hofft, dass sich noch ein Nachfolger findet.
Aufgaben eines Herzgruppenarztes
Ein Herzgruppenarzt überwacht die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer während des Trainings, schätzt medizinische Risiken ein und sichert im Notfall die Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Der Landesverband stellt Versicherungen, Sportgeräte, Notfallkoffer und Defibrillatoren. Interessierte approbierte Mediziner und Übungsleiter können sich beim LVPR melden: telefonisch unter 0381 44437422 oder per E-Mail an den Landesgeschäftsführer.
Der Erhalt der Herzsportgruppen ist für viele Patienten lebenswichtig. Ohne neue Unterstützer droht nicht nur in Ludwigslust, sondern landesweit ein weiterer Rückgang des Angebots.



