Einsamkeit bekämpfen: Malchinerin bietet persönliche Begleitung an
Malchinerin bietet Einsamen persönliche Begleitung

Was Celine Schmidt vor wenigen Tagen beobachtete, hat sie nachdenklich gestimmt. Die 28-Jährige saß im Café einer Bäckerei in Malchin, als eine ältere Dame das Lokal wieder verlassen wollte, weil sie allein war und sich unwohl fühlte, vor Ort einen Kaffee allein trinken zu müssen. Erst als die Verkäuferin ihr gut zuredete, setzte sie sich an einen Tisch. „Ich habe überlegt, ob ich sie anspreche“, erinnert sich die junge Frau. Vielleicht wollte sie ja nur ein bisschen Gesellschaft. Dann habe sie es gelassen. Doch die Situation ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Immer mehr Menschen fühlen sich einsam

Sie begann, sich intensiv mit dem Thema Vereinsamung auseinanderzusetzen. „Immer mehr Menschen fühlen sich einsam“, sagt sie. Die offiziellen Zahlen seien hoch, doch Statistiken erfassten nicht alle Betroffenen, da viele aus Scham nicht darüber sprechen. Lösungen dagegen gebe es bisher nicht viel, habe sie festgestellt. „Das Thema braucht mehr Aufmerksamkeit und vor allem Lösungen“, meint sie. So hat sie für sich beschlossen, selbst etwas zu tun. Sie möchte ehrenamtlich für Menschen einen Service anbieten, die sich einsam fühlen.

Sie wolle als feste Ansprechpartnerin telefonisch und persönlich zur Verfügung stehen, Besuche anbieten und gemeinsame Unternehmungen wie Spaziergänge, Kaffee trinken, gemeinsames Kochen oder Abendessen. „Ich würde quasi die Rolle als ,Freundin‘ oder ,Nachbarin‘ übernehmen, für alle Altersgruppen“, erklärt die 28-Jährige. Sie sei kreativ, das könne sie bei Bedarf anderen ebenfalls beibringen. „Ich könnte mit ihnen gemeinsam malen, Schmuck herstellen, häkeln.“

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Eigene Erfahrungen in schwierigen Lebenslagen

Celine Schmidt begründet ihr Vorhaben damit, dass sich viele Menschen nicht in bestehenden Strukturen wiederfinden. Telefonangebote seien hilfreich, aber unpersönlich. Gruppentreffen passten nicht zu allen, manche wollten anonym bleiben oder wünschten sich feste Bezugspersonen. Zudem fehlten oft die finanziellen Mittel für kostenpflichtige Angebote. Die junge Frau verweist auf eigene Erfahrungen in schwierigen Lebenslagen. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man denkt, es geht nicht mehr weiter“, erzählt sie. Wenn sie auch erst 28 Jahre alt sei, habe sie ganz unterschiedliche Schicksalsschläge und Lebenslagen bereits durchgestanden. „Somit könnte ich auch beratend und vermittelnd zur Seite stehen.“

Celine Schmidt ist Künstlerin, hat in Malchin das Projekt „Künstler gegen Krebs“ ins Leben gerufen. Sie führt ein Kleingewerbe, in dem sie Rosenkränze aus verschiedenem Material herstellt. Nachfragen kämen hierfür vor allem von Katholiken aus Österreich. Die Malchinerin würde sich wünschen, dass die Menschen wieder mehr auf ihre Nachbarn achten und helfen. „Viele schimpfen über gesellschaftliche Probleme, bieten selbst aber keine Lösungen“, kritisiert sie. Sie wolle nicht wegschauen, sondern handeln. „Ich möchte als Mutter meiner Tochter Nächstenliebe vorleben“, erklärt sie. „Ich wünsche mir, dass auch sie irgendwann Menschen hilft und nicht einfach wegschaut. Denn nur so kann unsere harte und zunehmend egoistische Gesellschaft wieder liebevoller werden“, glaubt sie.

Melden kann man sich bei ihr unter 0151 53796211 oder per E-Mail: [email protected].

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