Kinder in Seenplatte leiden stark unter Krisenfolgen
Kinder in Seenplatte leiden unter Krisen

Die anhaltenden globalen Krisen wie die Corona-Pandemie, Kriege, Inflation und der Klimawandel haben in vielen Familien der Mecklenburgischen Seenplatte tiefe Spuren hinterlassen. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, wie eine Antwort des Gesundheitsamtes auf eine Anfrage der AfD-Kreistagsfraktion zeigt. Die Auswirkungen reichen von Sprachdefiziten über Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu psychischen Belastungen.

Corona-Isolation als Auslöser

Vor allem die Einschränkungen während der Corona-Pandemie zwischen 2020 und 2025 führten zu sozialer Isolation, angespannter Stimmung in den Familien und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten. Dies spiegelt sich in den Einschulungsuntersuchungen wider, bei denen jährlich 2090 bis 2370 Kinder untersucht wurden. Im Jahr 2024 wiesen 34 Prozent der Kinder Sprachdefizite auf – ein Anstieg gegenüber 29,6 Prozent im Jahr 2020. Im Jahr 2025 sank der Anteil leicht auf 30,8 Prozent.

Steigender Förderbedarf

Der sonderpädagogische Förderbedarf stieg kontinuierlich von sechs Prozent im Jahr 2020 auf 9,4 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig entwickeln immer mehr Kinder Verhaltenssüchte, etwa exzessive Handynutzung. Eine Umfrage aus dem Jahr 2023 ergab, dass 80 Prozent der beteiligten Schulen Bedarf an Suchtprävention sehen, besonders Grundschulen. Auch bei psychischer Gesundheit (87 Prozent), sexueller Bildung (59 Prozent), Bewegung (48 Prozent) und Ernährung (46 Prozent) wurde großer Handlungsbedarf gemeldet.

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Psychosoziale Entwicklung beeinträchtigt

Sozialdezernent Michael Löffler spricht von einer konstanten Zunahme der Beeinträchtigungen durch komplexere Problemlagen. Bei acht Prozent der Kinder musste das Gesundheitsamt sogar intervenieren. Die Zahl der empfohlenen Rückstellungen vom Schulbesuch stieg von 2,2 Prozent im Jahr 2020 auf 3,9 Prozent im Jahr 2025. Um dem entgegenzuwirken, wurden Angebote entwickelt und an Schulen sowie Kindergärten ausgerollt. Ein erster Zwischenstand wird für Herbst 2026 erwartet.

Ungleichheiten verschärfen sich

Besonders betroffen sind Kinder aus ohnehin belasteten Familien. Globale Krisen, steigende Lebenshaltungskosten und die Angst vor sozialem Abstieg verunsichern Eltern. Zunahmen von Angststörungen, depressiven Symptomen und psychosomatischen Beschwerden werden bereits seit den 2010er-Jahren dokumentiert. Strukturelle Ungleichheiten im Bildungssystem und Unterschiede in den Lebensbedingungen, die stark vom sozioökonomischen Status abhängen, haben sich verschärft. Kinder aus einkommensschwachen Haushalten hatten schon vor der Pandemie schlechtere Bildungschancen und weniger Zugang zu Freizeitangeboten.

Für die Zukunft ergibt sich laut Löffler die Notwendigkeit, nicht nur die Folgen der Pandemie aufzuarbeiten, sondern vor allem die zugrundeliegenden sozialen Ungleichheiten nachhaltig zu adressieren, um die psychosoziale Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen zu fördern.

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