Gewalt an Frauen: Wo finde ich Hilfe und was kann ich sofort tun?
Wichtige Telefonnummern und Anlaufstellen für Opfer, potenzielle Täter und Angehörige bieten in Deutschland umfassende Unterstützung. Wer von Gewalt betroffen ist, benötigt vor allem schnelle und klare Hilfe. Auch Eltern, Angehörige oder Menschen, die bei sich selbst problematische Entwicklungen im Verhalten gegenüber anderen erkennen, stehen oft ratlos da. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Tipps und Anlaufstellen.
Ich bin selbst Opfer von Gewalt. Was kann ich direkt tun?
Gehen Sie zunächst zu einer Vertrauensperson. Sichern Sie Beweise wie Nachrichten, Fotos oder Links und löschen Sie nichts vorschnell. Hier finden Sie konkrete Hilfe:
- Hilfe bei sexueller Gewalt gibt es unter 0800/225 55 30 beim „Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch“
- Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar unter 116 016, der Chat täglich von 12 bis 20 Uhr
- Der Weisse Ring unterstützt – täglich von 7 bis 22 Uhr unter 116 006
- Roland Rechtsschutz-Versicherung bietet kostenlose Erstberatungen mit erfahrenen Juristen – erreichbar von 8 bis 20 Uhr unter 0221/82 77 – 45 66
- Über www.frauen-gegen-gewalt.de können Sie Hilfe bekommen – anonym, kostenlos, auf Wunsch mehrsprachig
Wichtig: Sie brauchen keine Beweise, um beraten zu werden. Hilfe-Portale unterstützen dabei, Informationen, Beratung und passende Hilfe zu finden.
Wo finden Kinder und Jugendliche konkret Hilfe?
Kinder und Jugendliche brauchen eine erwachsene Vertrauensperson. Wenn diese fehlt, können sie direkt das Kinder- und Jugendtelefon unter 11 61 11 anrufen oder Mail- und Chat-Beratung über nummergegenkummer.de nutzen. Dort können sie über jedes Thema sprechen – auch über Angst und Unsicherheit. Unter www.krisenchat.de erhalten Sie schnelle psychologische Hilfe – 24/7. Alle Angebote sind kostenlos und anonym.
Ich bin Mutter oder Vater und mein Kind hat mir gegenüber etwas angedeutet. Was kann/sollte ich tun?
Glauben Sie Ihrem Kind. Machen Sie keinen Druck. Ermitteln Sie nicht vorschnell selbst. „Signalisieren Sie dem Kind: Wir können sprechen. Ich möchte es genau wissen. Ich verurteile dich nicht. Dem Kind Sicherheit geben, viel Nähe“, erklärt die Psychologin Anke Precht (56). Für Unterstützung können Sie sich beim Elterntelefon der Nummer gegen Kummer 0800/111 05 50 melden.
Ich bin Mutter oder Vater und sehe bei meinem Kind auffälliges oder grenzverletzendes Verhalten. Was soll ich tun?
Bagatellisieren Sie das Verhalten nicht, geraten Sie aber auch nicht in Panik. Entscheidend ist ein ehrlicher, offener Dialog und das klare Stoppen des Verhaltens. Sich früh fachlich beraten zu lassen, schützt sowohl mögliche Betroffene als auch das eigene Kind. Precht rät: „Informationen sammeln ohne zu verurteilen. Das Kind muss merken: Auch wenn ich Mist baue, werde ich nicht verurteilt, meine Eltern lieben mich weiterhin.“ Anlaufstellen sind das Elterntelefon für die erste anonyme Beratung und das „Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch“ für Beratung und weitere Hilfeangebote.
Ich bin Freund, Partner oder Angehöriger einer von Gewalt betroffenen Person. Was kann ich tun?
Die Psychologin rät, Solidarität zu bekunden, ohne die betroffene Person unter Druck zu setzen oder zu werten. „Hilfe anbieten, konkret: Begleitung zur Polizei, oder ein gemeinsamer Anruf bei einer beratenden Stelle. Da sein, Körperkontakt anbieten, wenn gewünscht. Das hilft, das Nervensystem zu balancieren. Mit der Person spazieren gehen, auch schweigend. Alles, was hilft beim Beruhigen und Stabilisieren.“ Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ berät ausdrücklich auch Angehörige, Freunde und Fachkräfte. Auch das „Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch“ richtet sich nicht nur an unmittelbar Betroffene.
Ich habe das Gefühl, ich könnte selbst Grenzen überschreiten oder eine gefährliche Neigung haben. Was kann ich tun?
Precht: „Suchen Sie sich Unterstützung. Es gibt gute Beratungsstellen für potenzielle Täter. Im Fall von sexuellen Impulsen den Konsum von Pornografie einstellen. Strategien nutzen für die allgemeine Impulskontrolle: Angefangen bei Meditation und Verzicht auf digitale Reize und Medienkonsum. Gegebenenfalls einen Psychotherapeuten hinzuziehen.“ Beim Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ finden Sie Hilfe. Das Angebot arbeitet vertraulich.



