Zukunftsforscher Horx: War die Vergangenheit wirklich respektvoller zwischen den Geschlechtern?
In einer Zeit, in der Gewalt gegen Frauen – ob häuslich, sexualisiert oder digital – zunimmt und Respekt sowie Anstand scheinbar schwinden, stellt sich für viele die wehmütige Frage: War das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nicht schon einmal besser? Zwei Zukunftsforscher aus derselben Familie, Matthias Horx (71) und sein Sohn Tristan Horx (32), nähern sich diesem Thema im generationenübergreifenden Zwiegespräch. Als Vater und Sohn blicken sie aus unterschiedlichen Perspektiven auf gesellschaftlichen Wandel und werfen kritische Fragen zur Vergangenheit und Zukunft der Geschlechterbeziehungen auf.
Von der Hippie-Ära zur digitalen Keule: Matthias Horx' Blick auf die 70er Jahre
Matthias Horx reflektiert seine Erfahrungen als Mann in den 1970er Jahren: „Ich wurde in den 70er Jahren zum Mann, im großen Aufbruch der Hippie-Ära. Geschlechterverhältnisse wurden neu gedacht und führten zu unfassbaren Befreiungsgefühlen.“ Allerdings gesteht er ein, dass auch in dieser liberalen Zeit vieles hinter den Vorhang gekehrt wurde. Eine knallharte Pop-Chauvie-Kultur mit Groupies überschritt teils alle Grenzen, und Gewalt fand hinter verschlossenen Türen statt, selbst wenn auf den Straßen die Geschlechter tanzten. Viele Männer missfiel der neue Aufstieg der Frauen, was laut Horx bei manchen im mittleren Alter zu Wut führte, die heute im Netz als digitale Keule geschwungen wird.
Generation Y und die Gender-Konkurrenz: Tristan Horx' Analyse der Gegenwart
Tristan Horx beobachtet ähnliche Dynamiken in seiner Generation: Junge Männer werden an Universitäten und zunehmend im Beruf von Frauen überholt, was teils zu einer Wut gegen das andere Geschlecht führt. Diese äußert sich massenhaft im ohnehin schon übergriffigen Medium Internet durch ellenlange Frauenhass-Exzesse. Tristan beschreibt das Verhältnis zwischen jungen Männern und Frauen heute als geprägt von gegenseitigem Umschleichen und der Suche nach Vorteilen, mit einer ungnädigen und erbarmungslosen Atmosphäre der Gender-Konkurrenz statt einem Miteinander.
Die Suche nach Lösungen: Höflichkeit oder neue Distanz?
Matthias Horx registriert seit rund zehn Jahren einen harten, schichtenübergreifenden Gegenschlag gegen die Emanzipation – auch die der Männer. Er schlägt vor: „Vielleicht benötigen wir wieder eine Art Höflichkeit zwischen den Geschlechtern, vielleicht sogar wieder eine gewisse respektvolle Distanz.“ Dies sei eine konservative Formulierung, die er sich als junger Mensch nie hätte träumen lassen, aber ein neuer ‚Summer of Love‘ scheine nicht in Sicht. Tristan Horx verweist dagegen auf die ‚Me-Too‘-Bewegung als prägendes Element seiner Generation, die das Gegenteil einer harmonischen Annäherung darstellt.
Insgesamt zeigen die Analysen von Matthias und Tristan Horx, dass die Frage nach einem besseren Geschlechterverhältnis in der Vergangenheit komplex ist. Während die 70er Jahre Befreiungsgefühle brachten, verbargen sie auch Gewalt und Chauvinismus. Heute führen digitale Räume und berufliche Konkurrenz zu neuen Spannungen. Die Zukunftsforscher plädieren für eine Reflexion über Respekt und Höflichkeit, um einen Weg aus der aktuellen Gender-Konkurrenz zu finden.



