Rentner aus Uckermark kritisiert digitale Ausgrenzung: „Unser Alltag funktionierte auch ohne Internet“
Rentner kritisiert digitale Ausgrenzung in der Uckermark

Rentner aus Uckermark kritisiert digitale Ausgrenzung: „Unser Alltag funktionierte auch ohne Internet“

In der Uckermark meldet sich ein besorgter Rentner zu Wort, der die zunehmende digitale Ausgrenzung älterer Menschen anprangert. Werner Guth aus Prenzlau teilt seine Erfahrungen mit dem Nordkurier und beschreibt, wie der Alltag für seine Generation zur Herausforderung wird.

Früher lief alles ohne Apps und Internet

Werner Guth, der aus einer Zeit stammt, in der Telefone mit Wählscheibe das Kommunikationsmittel der Wahl waren, erklärt: „Meine Generation ist ohne Apps, ohne Internet und ohne ständige Erreichbarkeit groß geworden. Wir haben unser Leben organisiert, Termine gemacht, Rechnungen bezahlt – und das alles hat funktioniert. Nicht schneller vielleicht, aber zuverlässig und nachvollziehbar.“ Heute stehe man jedoch vor einer Welt, die sich stillschweigend verändert habe.

Der Rentner führt aus: „Vieles geht nur noch digital. Sogar für den Arzttermin braucht man eine App, für die Bahn ein Onlinekonto, für die Bank sowieso. Und überall heißt es: registrieren, anmelden, Passwort vergeben – und am besten noch persönliche Daten hinterlegen.“ Dies gehe ihm gewaltig gegen den Strich, da es für viele ältere Menschen keine Erleichterung, sondern eine Hürde darstelle.

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Vom Gespräch zum Formular: Der Verlust der Selbstständigkeit

Guth betont, dass es dabei nicht um Sturheit oder Verweigerung gehe, sondern darum, dass seine Generation diese Entwicklung nicht von Anfang an mitgemacht habe. „Wir mussten uns einarbeiten, oft ohne Hilfe. Und während wir noch versuchen, Schritt zu halten, geht die Entwicklung schon weiter.“ Was früher ein Gang zum Schalter oder ein persönliches Gespräch gewesen sei, sei heute ein digitales Verfahren oder ein Formular.

Besonders schwierig werde es, wenn es keine Alternative mehr gibt, so Guth. „Wenn man ohne Smartphone plötzlich ausgeschlossen ist. Wenn man für einfache Dinge Hilfe braucht, die man früher selbstständig erledigen konnte. Das kratzt nicht nur an der Geduld, sondern auch an der Würde.“ Er sieht zwar die Vorteile der Digitalisierung, betont aber: „Fortschritt darf nicht bedeuten, dass ein Teil der Gesellschaft zurückgelassen wird.“

Forderung nach Wahlmöglichkeiten und Inklusion

Werner Guth wünscht sich keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern die Möglichkeit, weiterhin teilnehmen zu können. „Das bedeutet, dass man Wahlmöglichkeiten hat und einen Ansprechpartner, es also einen Weg ohne App gibt.“ Abschließend stellt er klar: „Denn eine Gesellschaft zeigt sich nicht daran, wie modern sie ist – sondern daran, ob sie alle mitnimmt.“ Seine Worte unterstreichen die wachsende Sorge vieler älterer Menschen in der Uckermark und darüber hinaus, die sich durch die fortschreitende Digitalisierung zunehmend ausgegrenzt fühlen.

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