Körperliche und verbale Angriffe in der Schule: Sarina (13) zeigt ihre Mobber an
Vellahn • Die 13-jährige Sarina aus Vellahn hat ihre Mobber bei der Polizei angezeigt. Die Schülerin, die als Junge geboren wurde, sich aber seit ihrer Kindheit als Mädchen identifiziert, erlebt in ihrer Schule regelmäßig verbale und in Einzelfällen auch körperliche Übergriffe.
Transidentität als Spießrutenlauf im Alltag
„Sarina ist als Junge geboren, aber sie hat bereits mit vier Jahren darauf bestanden, eigentlich ein Mädchen zu sein“, erzählt ihre Mutter Norma Dogan. Zunächst dachte die Familie, es handele sich um eine Phase, doch Sarina wurde immer unglücklicher und zog sich zurück. Mit etwa zehn Jahren vertraute sie sich ihrer Mutter an, weil sie sich in ihrem männlichen Körper nicht zu Hause fühlte.
Die Familie suchte ärztliche und psychologische Hilfe und informierte sich über Transidentität. Fachmagazine wie das Deutsche Ärzteblatt schrieben bereits 2020, dass etwa zwei bis drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen überzeugt sind, im falschen Körper geboren zu sein. Diese Kinder leiden besonders unter dem Gefühl, nicht richtig zu sein, weil ihr Körper sich falsch anfühlt.
Schule lehnt Aufklärungsangebote ab
Während die Familie Sarina unterstützt, stößt sie in der Schule auf massive Probleme. Norma Dogan bot der Schule an, Informationsveranstaltungen zu organisieren oder Material für Lehrkräfte zusammenzustellen – alles wurde abgelehnt. „In der Schule ist Sarina vielen verbalen und in Einzelfällen auch körperlichen Angriffen ausgesetzt“, berichtet die Mutter.
Besonders die Nutzung von Umkleide- und Sanitärräumen für Mädchen führt immer wieder zu Eskalationen mit Mitschülerinnen. Anfang dieses Jahres ließ Sarina offiziell ihr Geschlecht und ihren Namen ändern, doch die Situation in der Schule verschlimmerte sich daraufhin noch weiter.
Bildungsministerium plant Fortbildungen
Auf Nachfrage unserer Redaktion teilte das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern mit, dass das Institut für Qualitätsentwicklung in Abstimmung mit dem Landesverband LSVD Queer MV an der Umsetzung des Landesaktionsplanes „In Vielfalt vereint“ arbeite. Ziel sei die Entwicklung eines Leitfadens für LSBTQ-Themen und strukturierter Fortbildungsangebote für Lehrkräfte.
Zudem erarbeite das Schulamt ein schulinternes Fortbildungsangebot zu dieser Thematik. Für Sarina und andere betroffene Kinder bringt dies jedoch zunächst wenig Erleichterung, da die Schulen derzeit nicht auf den Umgang mit transidentitären Kindern und Jugendlichen vorbereitet sind.
Andere Eltern melden sich zu Wort
Inzwischen haben sich auch andere Eltern bei unserer Redaktion gemeldet und von ähnlichen Mobbingvorfällen berichtet, sobald Kinder und Jugendliche irgendwie besonders sind. Einige Lehrer und Mitschüler haben sich mittlerweile über Sarinas Situation informiert und unterstützen sie gegen die Anfeindungen.
Trotzdem hat die 13-Jährige mittlerweile große Angst, in die Schule zu gehen. „Ich kann ja nichts dafür, dass ich so bin“, sagt sie. Die Familie hat die Übergriffe inzwischen angezeigt und sich an die Öffentlichkeit gewandt, um auf das Problem aufmerksam zu machen.



