Zeugenaussagen im Münchener Anschlagsprozess: Angeklagter als ruhiger und höflicher Mensch beschrieben
Im laufenden Prozess um den tödlichen Auto-Anschlag auf eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi im Februar 2025 in München haben Zeugen den Angeklagten als einen "guten Menschen" charakterisiert. Der Bruder des Mannes schilderte ihn vor Gericht als ruhig, höflich und motiviert. Auch weitere Bekannte bestätigten in ihren Aussagen, dass sie den Angeklagten stets als freundlich und nicht aggressiv erlebt hätten. Die Zeugen äußerten tiefe Bestürzung über die Tat, die sie als völlig unerwartet beschrieben.
Tragischer Vorfall mit zwei Todesopfern und zahlreichen Verletzten
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Angeklagten islamistischen Terrorismus als Motiv vor und hat Anklage wegen zweifachen Mordes sowie 44-fachen Mordversuchs erhoben. Der Vorfall ereignete sich am 13. Februar 2025, als der Mann mit einem Kleinwagen in eine friedliche Gewerkschaftsdemonstration raste. Dabei wurden eine Mutter und ihr zweijähriges Kind im Kinderwagen erfasst und so schwer verletzt, dass sie wenige Tage später ihren Verletzungen erlagen. Mehr als 40 weitere Personen erlitten Verletzungen, teilweise lebensgefährlicher Natur.
Viele der Betroffenen leiden bis heute unter den physischen und psychischen Folgen des Geschehens. Einige konnten aufgrund der erlittenen Traumata bis heute nicht in ihren Beruf zurückkehren. Die langfristigen Auswirkungen auf die Opfer und ihre Familien bleiben erheblich.
Emotionale Momente im Gerichtssaal: Bruder äußert tiefe Trauer
Während der Zeugenbefragung kam es zu emotional aufgeladenen Momenten. Als der Bruder des Angeklagten von dessen Ängsten während der Flucht aus Afghanistan berichtete, begann der Angeklagte sichtlich bewegt zu weinen. Auf Nachfrage des Richters erklärte der Bruder seine aktuelle Haltung: "Ich bin sehr, sehr traurig, ich verstehe nicht, warum er so etwas gemacht hat." Diese Aussage unterstrich das tiefe Unverständnis der Angehörigen angesichts der schweren Vorwürfe.
Die Bekannten des Angeklagten gaben an, dass religiöse Themen in der Zeit vor der Tat eine größere Rolle für ihn gespielt hätten. Sie verneinten jedoch entschieden, dass er radikale Ansichten vertreten habe. Ein Zeuge beschrieb ihn stattdessen als "etwas naiv" in bestimmten Lebensbereichen. Die Zeugen betonten, der Angeklagte habe sich stets für ein gesundes Leben eingesetzt und Freunde zum Sport und später auch zum Beten motiviert.
Fortlaufende Ermittlungen und rechtliche Bewertung
Die Bundesanwaltschaft stützt ihre Anklage auf umfangreiche Ermittlungsergebnisse, die auf ein terroristisches Motiv hindeuten. Der Prozess wirft grundlegende Fragen zur Radikalisierung und zu möglichen Warnsignalen auf, die vor solchen Taten hätten erkannt werden können. Die Zeugenaussagen der Bekannten und Familienmitglieder stehen dabei im Kontrast zu den schwerwiegenden Vorwürfen der Anklagebehörde.
Die Verhandlung in München wird voraussichtlich noch mehrere Wochen andauern, während die Opfer und ihre Angehörigen weiterhin mit den Folgen der tragischen Ereignisse kämpfen. Die Aussagen der Zeugen bieten einen seltenen Einblick in das soziale Umfeld des Angeklagten und die komplexen persönlichen Dynamiken, die solchen Gewalttaten vorausgehen können.



