Mehr als zwei Wochen nach dem 1:1 zwischen Union Berlin und dem FC St. Pauli sorgt ein Vorfall im Gästeblock für anhaltende Diskussionen. Fans der Gäste aus Hamburg werfen dem Berliner Verein vor, während der Partie im Stadion An der Alten Försterei Ordner mit Bodycams eingesetzt zu haben. Diese sollen die Fans im Auswärtsblock gefilmt haben, was als unzulässige Überwachung kritisiert wird.
Bodycam-Einsatz vor dem Gästeblock
Laut Berichten von St. Pauli-Fans standen Ordner mit Bodycams auf der Brust vor dem Gästeblock. Die Geräte hätten während des Spiels aufgezeichnet, erkennbar an einer roten Leuchte. Die Fanszene reagierte umgehend mit deutlicher Kritik. In einem Statement auf Instagram und X schrieb sie: „Eine permanente, anlasslose Videoüberwachung von Fanblöcken ist rechtswidrig, unverhältnismäßig und stellt einen gravierenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Fußballfans dar.“ Zudem betonte die Szene: „Persönlichkeitsrechte gelten auch für Fußballfans.“
Union verteidigt Bodycam-Einsatz
BILD fragte bei Union Berlin nach. Der Verein erklärte, Bodycams würden bereits seit 2023 eingesetzt. „Der Einsatz von Bodycams dient der Deeskalation, zur Beweissicherung und zur Erhöhung der Transparenz operativer Maßnahmen.“ Weiter teilte der Klub aus Köpenick mit: „Allerdings werden sie nur im Einzelfall aktiviert, andernfalls sind sie nur im Stand-by-Modus.“ Zur Speicherung der Daten hieß es: „Ohne Auswertungen werden die Daten automatisch nach 72 Stunden wieder gelöscht.“ Der Verein verwies zudem auf die Stadionordnung und bestehende Videoüberwachung im Stadion. Mit dem Kauf eines Tickets akzeptieren Besucher die Stadionordnung – und damit auch die dort geregelten Bedingungen.
Der Vorfall sorgte über das Spiel hinaus für Diskussionen und wirft erneut die Frage auf, wie weit Überwachung im Stadion gehen darf. Während Union Berlin auf Rechtmäßigkeit und Deeskalation pocht, sehen viele Fans ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Die Debatte um Bodycams im Fußballstadion dürfte damit weitergehen.



