Oldenburg: Hunderte demonstrieren ein Jahr nach tödlichen Polizeischüssen auf Lorenz
Demonstration in Oldenburg: Gedenken an Lorenz nach Polizeischüssen

Oldenburg: Gedenkdemonstration ein Jahr nach tödlichem Polizeieinsatz

Fast genau ein Jahr nach den tödlichen Polizeischüssen auf den 21-jährigen Lorenz haben Hunderte Menschen in Oldenburg gegen Polizeigewalt demonstriert. Die Kundgebung fand am Pferdemarkt statt und stand unter dem bewegenden Motto „Ein Jahr ohne Lorenz“. Die Teilnehmer erinnerten an den jungen Mann, der in der Nacht zum Ostersonntag 2025 in der Oldenburger Fußgängerzone erschossen wurde.

Forderungen nach grundlegenden Reformen

Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ organisierte die Demonstration und nutzte sie, um weitreichende Forderungen zu stellen. Auf Plakaten und Bannern waren Slogans wie „Gerechtigkeit für Lorenz“ und „Gerechte Aufklärung jetzt!“ zu lesen. Die Aktivisten betonten, dass der Tod von Lorenz aus ihrer Sicht kein Einzelfall sei und forderten einen strukturellen Wandel in der Polizeiarbeit.

Konkret verlangt die Initiative:

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  • Die Einrichtung vollständig unabhängiger Ermittlungsstellen auf Bundes- und Landesebene, die von Polizei und Staatsanwaltschaft getrennt sind
  • Zivilgesellschaftlich getragene Untersuchungskommissionen bei jedem tödlichen Polizeieinsatz
  • Eine bundesweit verbindliche Bodycam-Pflicht für Polizeibeamte
  • Verpflichtende rassismuskritische Inhalte in der Polizeiausbildung

Hintergrund des tragischen Vorfalls

Der 21-jährige Lorenz, ein Deutscher mit schwarzer Hautfarbe, war in der besagten Nacht von Polizeikugeln getroffen worden, die ihn von hinten in Oberkörper, Hüfte und Kopf trafen. Der verantwortliche Polizeibeamte ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Laut Ermittlungen soll der Beamte irrtümlich geglaubt haben, sich in einer Notwehrsituation zu befinden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Lorenz zum Zeitpunkt der Schüsse fliehen wollte, um einer Festnahme zu entgehen.

Freunde und Familie des Getöteten fordern hingegen eine Anklage wegen Totschlags. Der Fall hat weit über die Grenzen Oldenburgs hinaus für Entsetzen und Anteilnahme gesorgt und wirft grundsätzliche Fragen zur Polizeiarbeit auf.

Solidarität und breite Unterstützung

Die Demonstration diente nicht nur dem Gedenken an Lorenz, sondern brachte auch Solidarität mit seinen Angehörigen zum Ausdruck. „Mit der Demonstration wollen wir unsere Solidarität mit den Angehörigen von Lorenz ausdrücken und ein würdevolles und kraftvolles Zeichen in Gedenken an Lorenz setzen“, erklärte die Initiative. An der Kundgebung beteiligten sich auch Gruppen, die an andere durch Polizeigewalt ums Leben gekommene Menschen erinnern.

Während die Polizei von etwa 700 Teilnehmern sprach, hatte die Initiative im Vorfeld mit rund 5.000 Demonstranten gerechnet. Die Veranstaltung zeigt, dass der gewaltsame Tod von Lorenz die Stadt Oldenburg und darüber hinaus weiterhin tief bewegt. Das Landgericht Oldenburg muss noch entscheiden, ob der Fall vor Gericht verhandelt wird.

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