Schweizer Staatsanwaltschaft veröffentlicht Fotos: Das Grauen der Todesbar in Crans-Montana
Fotos zeigen Grauen der Todesbar in Crans-Montana

Schockierende Bilder aus der Todesbar: Staatsanwaltschaft veröffentlicht Fotos des Infernos

Die Walliser Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch erschütternde Bilder aus der abgebrannten Bar Le Constellation in Crans-Montana veröffentlicht. Die Aufnahmen, die erstmals von BFM TV und Corriere della Sera gezeigt wurden, dokumentieren das Grauen der Silvesternacht, in der 41 Menschen ihr Leben verloren und 115 zum Teil für immer entstellt wurden.

Das Inferno in der Silvesternacht

Am 1. Januar um 1.27 Uhr entzündeten Funken einer Wunderkerze von einer Champagnerflasche die Decke der Bar. Was folgte, war ein Inferno, das sich durch die engen Räume fraß. Die jetzt veröffentlichten Fotos zeigen verkohlte Ledersessel, rußgeschwärzte Champagnerflaschen und von der Decke hängende Schaumstoffbahnen – stumme Zeugen der Katastrophe.

„Nachdem ich diese Bilder gesehen habe, bin ich verwundert, dass es nicht von Anfang an mehr Tote gegeben hat“, sagte der deutsche Brandschutz-Experte Marcus Alter (51) dem Schweizer Blick. Der Experte war von den Aufnahmen geschockt und analysierte die tödlichen Bedingungen, die in der Bar herrschten.

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Treppe wurde zum tödlichen Kamin

Besonders verheerend wirkte sich eine Treppe aus, die der Betreiber vor dem Brand enger hatte bauen lassen. An dieser Stelle starben die meisten Opfer. Marcus Alter erläutert: „Wärme steigt nach oben und die Extremtemperaturen zogen wie durch einen Kamin die Treppe hoch.“

Anhand der Verfärbung der Wände konnte der Experte erkennen, dass es am Boden bereits 150 bis 200 Grad heiß gewesen sein muss, weiter oben sogar bis zu 300 Grad. Brennende Kunststoffteile seien auf die Gäste herabgefallen, während die extreme Hitze wie in einem Kamin nach oben zog.

Verschlossene Notausgänge und giftige Gase

Die Bilder zeigen schwere Versäumnisse, die die Staatsanwaltschaft dem Betreiber-Paar Jacques (49) und Jessica Moretti (40) zur Last legt. Im Keller ist ein Barhocker neben dem Notausgang zu sehen, der beim Brandausbruch die rettende Tür ins Treppenhaus versperrte. Im Erdgeschoss erkennt man den aufgedrückten Riegel an der Service-Tür, die niemals hätte verschlossen sein dürfen.

Vor beiden Türen lagen jeweils drei Leichname. Tropfen der geschmolzenen Schalldämmung sind überall auf den nur teilweise verbrannten Möbelstücken zu erkennen – sie dürften für die schweren Brandverletzungen verantwortlich sein.

Tödlich war für die meisten Besucher jedoch der Rauch. Marcus Alter erklärt: „Je dichter der Rauch ist, umso mehr giftige Gase sind drin. Kohlenmonoxid, Ammoniak, Salzsäure, Blausäure.“

Ermittlungen und emotionale Reaktionen

Am Donnerstag wurde die Vernehmung der Morettis in Sitten fortgesetzt. Dabei wurden sie nach Berichten verschiedener Medien von Angehörigen der Opfer als „Mörder“ beschimpft. Die Kantonspolizei kündigte daraufhin an, die Schutzmaßnahmen für die der fahrlässigen Tötung Beschuldigten zu verstärken.

Neben dem französischen Paar wird auch gegen den ehemaligen und den aktuellen Sicherheitschef von Crans-Montana ermittelt. Der eine hatte bereits 2019 Mängel beim Brandschutz festgestellt, der andere hatte die Bar nicht wie vorgeschrieben jährlich kontrolliert.

Die 40 Bilder umfassende Spurensicherung dokumentiert nicht nur das Ausmaß der Zerstörung, sondern auch die systematischen Versäumnisse, die zu dieser Tragödie führten. Die Aufnahmen zeigen deutlich, wie aus einer feierlichen Silvesternacht innerhalb weniger Minuten ein tödliches Inferno werden konnte.

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