Gewalt gegen Bahnmitarbeiter: Ein Schaffner berichtet aus seinem gefährlichen Alltag
Nach dem tragischen Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz, der bei einem Angriff im Zug lebensgefährlich verletzt wurde, schildert ein Bahnmitarbeiter die zunehmenden Gefahren in seinem Beruf. Thomas Friedrich, dessen Name von der Redaktion geändert wurde, arbeitet seit zehn Jahren als Fahrkartenkontrolleur bei der Deutschen Bahn und hat in dieser Zeit zahlreiche Übergriffe erlebt.
Beleidigungen, Bespuckungen und körperliche Angriffe
Friedrich erklärt, dass Beleidigungen noch zu den harmloseren Vorfällen gehören. Ihm wurde ins Gesicht gespuckt, ein Fahrgast kotzte ihm bewusst entgegen, und es gab mehrere körperliche Übergriffe. „Dieser Übergriff ist kein Einzelfall, seit langer Zeit passieren solche Vorfälle immer häufiger“, kritisiert der Schaffner aus Sachsen. Er berichtet von Kollegen, die mit Messern oder sogar Pistolen bedroht wurden, sowie von Morddrohungen und einem Fall, in dem ein Kollege gewürgt wurde.
Schwarzfahrer reagieren zunehmend aggressiv
Die Gewalt geht oft von ertappten Schwarzfahrern aus, die nicht nur ohne Fahrschein unterwegs sind, sondern auch gefälschte Tickets verwenden. Friedrich ärgert sich darüber, dass Schwarzfahrer in den meisten Fällen nur den Zug verlassen müssen, obwohl es sich um eine Straftat handelt. Stattdessen wählen einige den Angriff. „Das lässt sich auch nicht an einer Nationalität festmachen, leider mittlerweile auch nicht an einem Alter“, so Friedrich.
Beispiele aus dem Arbeitsalltag
Ein Vorfall ereignete sich auf der Strecke Dresden-Leipzig vor dem Bahnhof Oschatz, wo Friedrich einen etwa 15-jährigen Schwarzfahrer kontrollierte. Der Junge verließ zunächst friedlich den Zug, begann dann aber, den Schaffner zu beleidigen und versuchte, ihm ins Gesicht zu treten, als die Tür sich schloss. Zum Glück verfehlte der Tritt.
Ein weiterer Vorfall am 5. August vergangenen Jahres auf dem Bahnhof Königstein endete gewalttätiger: Ein Mann ohne Fahrschein riss Friedrich zu Boden, und beide kämpften auf dem Boden der Bahn. „Niemand eilte mir zu Hilfe. Alle sehen zu, keiner schreitet ein“, erinnert sich Friedrich. Erst als der Täter floh, kamen Fahrgäste als Zeugen. Der Schaffner erlitt Prellungen, Schürfwunden und eine leichte Gehirnerschütterung.
Forderungen nach mehr Sicherheit
Friedrich fordert von der Politik, endlich auf die zunehmenden Angriffe zu reagieren. Er kritisiert Pläne, die Quoten für Fahrkartenkontrollen zu senken. In Dresden soll das Zugbegleiterpersonal schrittweise von 100 auf 20 Prozent reduziert werden. „Wenn man die Präsenz auf den Bahnhöfen an Bahn- und Sicherheitspersonal abbaut, dann öffnet man zugleich Tür und Tor für die Täter. Ich befürchte, dann wird alles noch schlimmer“, warnt er.
Als Beispiel nennt er Berlin, wo kein Schaffner mehr in den Zügen mitfährt. Friedrich beobachtet dort einen deutlichen Unterschied in Sachen Sauberkeit und Ordnung im Vergleich zu Dresden. Er betont, dass die Präsenz von Schaffnern die Basis für Sicherheit und Sauberkeit schafft.



