Glasscherben als entscheidende Beweise im Prozess um gesprengten Geldautomaten
Die Ermittlungen zur Sprengung eines Geldautomaten in Klütz im Oktober 2024 haben eine überraschende Wendung genommen. Was zunächst wie gewöhnliche Glassplitter aussah, entpuppte sich für die Ermittler als äußerst wertvolle Spur. Die rund 40 Jahre alten Bruchstücke gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem sichergestellten silbernen Audi 90 Quattro mit Sonderverglasung, wie die Staatsanwaltschaft in der Verhandlung darlegte.
Der Tathergang und die Anklage
Mit dem gestohlenen Oldtimer soll der Angeklagte Peter B. (Name geändert) den Erkenntnissen der Ermittler zufolge in die kleine Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg gefahren sein. Dort habe er am Getränkemarkt einen Geldautomaten gesprengt. Für diese Tat in Klütz hat die Staatsanwaltschaft B. wegen versuchten schweren Diebstahls und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion angeklagt. Die Trümmerteile hatten sich laut Anklage in einem Radius von 33 Metern um den gesprengten Geldautomaten verteilt.
Die Verteidigung stellt Ermittlungen in Frage
Die Verteidigung zweifelt jedoch die Ermittlungsergebnisse an. An dem Audi Quattro seien kaum Splitterschäden festgestellt worden, obwohl der Pkw unmittelbar neben dem Automaten gestanden haben soll. Dass das Fahrzeug für die Sprengung in Klütz verwendet wurde, sei "in Zweifel zu ziehen", hatte der Verteidiger in einer vorangegangenen Sitzung erklärt. Er forderte eine detaillierte Berechnung der Splitterwirkung durch einen Experten, doch dieser Antrag wurde abgelehnt.
Die entscheidenden Glasscherben
In der Verhandlung am Mittwoch wies die Große Strafkammer unter Vorsitz von Jan Balbach den Beweisantrag als "bedeutungslos" zurück. Für die Annahme, dass sich B. mit dem Audi tatsächlich am Tatort aufgehalten hat, spreche eine ganze Reihe von Indizien. Besonders bedeutsam sind die in Klütz gefundenen Scherben aus Klarglas mit einer Art Goldrückstand. Nach Auffassung der Ermittler handelt es sich dabei um Bruchstücke aus einem beschädigten dreieckigen Fenster mit vergoldetem Schriftzug am Heck des Audis.
Teile der eher seltenen Verglasung hatten die Kriminaltechniker auch im Inneren des Wagens gefunden und eine große Übereinstimmung mit den Spuren aus Klütz festgestellt. Diese spezifischen Glasscherben mit ihren charakteristischen Merkmalen stellen somit einen wichtigen Beweis im Verfahren dar.
Weitere belastende Indizien
In dem Audi Quattro, mit dem B. im Dezember 2024 in Hamburg von der Polizei gestoppt wurde, fanden die Beamten weitere belastende Materialien:
- Notizen zu Fluchtrouten mit Informationen über Klütz und Umgebung
- DNA-Rückstände des 55-Jährigen an Werkzeugen, die nach Einschätzung der Ermittler für die Sprengung von Geldautomaten verwendet werden
- Zwei Gasbehälter (eine blaue Sauerstoffflasche und eine rote Acetylenflasche)
- Eine Schweißerbrille, Meißel, Ohrstöpsel und Brennlanzen zum Schneiden von Beton und dicken Metallen
- Handschuhe sowie mehrere offenbar gefälschte Nummernschilder
Die Vorgeschichte des "Gasmanns"
Der 55-jährige B. hat eine einschlägige Vorgeschichte als Automatensprenger. Wegen mehrerer solcher Taten war er bereits am Landgericht Siegen in Nordrhein-Westfalen zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Im August 2022 kam er frei. Wegen seiner charakteristischen Vorgehensweise bekam er in der Region den Spitznamen "Gasmann".
Der Prozess in Schwerin gegen Peter B. soll in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Die Glasscherben mit ihren spezifischen Merkmalen werden dabei voraussichtlich eine zentrale Rolle spielen, da sie eine direkte Verbindung zwischen dem Fahrzeug und dem Tatort herstellen sollen.



