Graffiti-Welle in Rostock: 25 Prozent mehr Straftaten in 2025
Graffiti-Welle in Rostock: 25 Prozent mehr Fälle

Graffiti-Welle in Rostock: 25 Prozent mehr Straftaten in 2025

In Rostock nehmen illegale Graffiti und Schmierereien immer weiter zu. Die Kriminalitätsstatistik für 2025 verzeichnet 890 Fälle – ein Anstieg von 25,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt bei nur 5,7 Prozent, was die Arbeit der Ermittlungsbehörden erschwert.

Stromkasten am Stadthafen erneut beschmiert

Ein besonders anschauliches Beispiel liefert der Stromkasten an der Haltestelle Stadthafen auf der Holzhalbinsel. Ende April hatte ein Mitarbeiter der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) die Schmierereien entfernt. Doch nicht einmal zwei Wochen später prangten erneut bunte Schriftzüge darauf. Diesmal waren es Abkürzungen wie „ACAB“ (All Cops are Bastards), „FCK NZS“ (Fuck Nazis) und der Zahlencode 161 für „Antifaschistische Aktion“. Diese Codes sind dem linken politischen Spektrum zuzuordnen.

Vandalismus in der gesamten Stadt

Schmierereien und Sticker sind in Rostock allgegenwärtig. Neben politischen Parolen finden sich auch Hansa-Sticker, die den Fußballverein repräsentieren. Im Oktober 2025 wurden 100 Gaza-Graffiti an Gebäuden der Universität Rostock gesprüht, zeitgleich mit dem Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel. Ende April 2026 wurde das Stadtteilbüro der RGS in Lichtenhagen mit „Scheiß Zecken AfD“ beschmiert, woraufhin der Staatsschutz Ermittlungen aufnahm.

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RSAG und Stadt kämpfen gegen die Flut

Die RSAG führt keine separate Statistik über Graffiti, da der Zeitaufwand zu hoch und die Aufklärungsquote gering sei, so Sprecherin Beate Langner. Dennoch sind auch die Fahrzeuge des Unternehmens betroffen, obwohl Videotechnik in Bussen und Bahnen Vandalismus reduziert hat. Große Graffiti auf Werbeflächen müssen aufwendig von Hand entfernt werden, wobei die Werbung oft beschädigt wird.

Die Stadt Rostock beziffert die Kosten allein für Schulen im Jahr 2024 auf 36.000 Euro durch Graffiti und Glasbruch. Hinzu kommen 12.540 Arbeitsstunden von Hausmeistern und technischem Personal. Insgesamt belaufen sich die jährlichen Kosten durch Vandalismus auf Hunderttausende Euro. Auch neue Spielplätze, wie der im Lindenpark, wurden kurz nach der Eröffnung im Oktober 2025 Ziel von Vandalismus.

Sticker als besondere Plage

Neben Graffiti sind Aufkleber ein großes Problem. Klaus-Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag MV erklärt: „Diese sind oft so beschaffen, dass sie kaum ablösbar sind. Viele Sticker in MV stehen im Kontext von Hansa Rostock. Es ist ein Ärgernis.“ Auch Straßenlaternen, Verkehrsschilder, Ampeln, Parkscheinautomaten und Brunnen werden regelmäßig beklebt oder beschmiert. Ein Stadtsprecher bestätigt: „Vandalismus ist ein großes Problem. Leuchten und Maste werden beschädigt, mit Farbe besprüht oder mit Aufklebern beklebt.“

Suche nach Lösungen

In der Bürgerschaft wird derzeit diskutiert, ob weitere legale Graffiti-Wände im Stadtgebiet ausgewiesen werden können. Ob dies die illegale Sprüherei eindämmen kann, bleibt abzuwarten. Oberstaatsanwalt Harald Nowack weist auf die rechtliche Lage hin: Bei Schmierereien handelt es sich um Sachbeschädigung nach Paragraf 303 StGB, die mit bis zu zwei Jahren Haft oder Geldstrafe geahndet werden kann. „Das Problem ist der Nachweis, denn eigentlich ist dieser nur möglich, wenn die Tatverdächtigen auf frischer Tat gestellt werden.“

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