Berlin – Eckart von Hirschhausen (58) wird im Internet mit gefälschten Werbeanzeigen für Abnehmpillen, Potenzmittel und Schmerzmedikamente gezeigt. Seit Jahren kämpft der Arzt gegen Deepfake-Betrug. Immer neue Videos und Anzeigen tauchen auf. „Es fühlt sich einfach so falsch an, dass Millionen Menschen in Deutschland glauben gemacht wird, ich würde ihnen medizinischen Müll verkaufen“, sagt Hirschhausen. „Mein Gesicht gehört mir, meine Stimme, mein Körper auch. Das gilt für jeden von uns.“
Doku „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“
Am Montag, den 4. Mai, läuft um 20.15 Uhr in der ARD die Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“. Neue Zahlen zeigen, wie groß das Problem ist. Eine repräsentative Civey-Untersuchung mit 5000 Befragten ab 18 Jahren ergab: Zwölf Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben solche KI-generierten Fake-Inhalte mit seinem Namen gesehen. Hochgerechnet sind das rund 5,6 Millionen Menschen. Laut Auswertung wird die Fake-Werbung häufiger wahrgenommen als echte Werbung für seine Sendungen, Bücher oder Liveauftritte.
750.000 Fake-Anzeigen auf Meta
Das österreichische Institut für angewandte Telekommunikation untersuchte für die ARD-Doku den Missbrauch bekannter Ärztenamen. Ergebnis: Allein auf Meta sahen in den vergangenen vier Wochen mehr als 750.000 Menschen in Deutschland und Österreich Fake-Anzeigen mit Hirschhausen. 99 Prozent der erfassten Anzeigen nutzten laut Institut seinen Namen. Meta ist die Firma von Mark Zuckerberg, zu der Facebook, Instagram und WhatsApp gehören. Nur rund 30 Prozent der Anzeigen seien entfernt worden. Hirschhausen sagt: „Obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, löschen die Plattformen zögerlich oder gar nicht. Die US-Firmen, die an jedem Klick mitverdienen, haben offenbar kein Interesse an Gesundheit oder Menschenwürde, nur an Profit.“
Verbraucherzentrale warnt vor dubiosen Präparaten
Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, die im Netz nach Hilfe suchen. Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor Angeboten für Menschen mit Diabetes oder Übergewicht. Hirschhausen spricht von einem doppelten Risiko: „Der Schaden entsteht nicht nur durch dubiose Produkte mit unklaren Inhaltsstoffen, sondern auch dadurch, dass Patienten aufgefordert werden, ihre bisherigen Medikamente abzusetzen. Das kann lebensgefährlich sein.“ Typische Namen der Pseudopräparate sind „GLPura – Nachfettverbrennung“, „Artodip/Artizynt“, EROVITAN oder Kardirin.
Opfer Viktoria berichtet von Ohnmacht
Viktoria (80) meldete sich bei Eckart von Hirschhausen, nachdem sie betrogen und mit bedrohlichen E-Mails bombardiert wurde. „Eine Ohnmacht war das. Es ging mir wirklich sehr schlecht“, erzählt sie in ihrer Wohnung in Berlin-Tegel. „Mir wurde versprochen, ich könne von Diabetes geheilt werden. Und ich dachte, das muss gut sein, wenn es von Dr. Eckart von Hirschhausen kommt.“ Der echte Hirschhausen sagt: „Unechte Medikamente können echten Schaden anrichten! Es macht mich so wütend, wie die Menschen emotional erpresst werden. Viele schämen sich, und schweigen. Aber es ist wie beim Enkeltrick – je mehr wir darüber reden, desto weniger fallen drauf rein!“



