Häusliche Gewalt: Alle zwei Tage sucht eine Frau Schutz in MV
Häusliche Gewalt: Frauenschutzhäuser in MV stark gefragt

In Mecklenburg-Vorpommern sucht etwa jeden zweiten Tag eine Frau Schutz vor häuslicher Gewalt in einem der Frauenschutzhäuser. Die neun Einrichtungen im Land verzeichneten im vergangenen Jahr insgesamt 185 Neuaufnahmen und damit nur vier weniger als im Jahr 2024. Trotz dieses leichten Rückgangs bleibt das Niveau der Hilfesuche hoch und zeigt, dass das Problem häuslicher Gewalt weiterhin drängend ist.

Schutzhäuser sind ein unverzichtbarer Bestandteil

Während Ronja Jäger jüngst die Arbeit im Frauenschutzhaus in Güstrow erläuterte, ordnete Gleichstellungsministerin Jacqueline Bernhardt die aktuelle Situation in den landesweiten Einrichtungen bei einem Besuch im Frauenschutzhaus in Ribnitz-Damgarten ein. Sie betonte, dass die Schutzhäuser ein unverzichtbarer Bestandteil des Hilfe- und Beratungsnetzes in Mecklenburg-Vorpommern sind. Die kontinuierlich hohe Zahl an Neuaufnahmen unterstreiche die Bedeutung dieser Orte als sichere Zuflucht und als erste Anlaufstelle in akuten Krisensituationen.

Drei Viertel der Betroffenen sind Frauen

Die Ministerin verwies auf die polizeiliche Kriminalstatistik, die das Ausmaß der Problematik verdeutlicht: Drei Viertel der Betroffenen von häuslicher Gewalt sind Frauen. Von insgesamt 5.204 erfassten Fällen im vergangenen Jahr waren 3.871 Frauen betroffen. Für manche sei das Frauenschutzhaus der letzte Ausweg, wenn andere Hilfestrukturen nicht ausreichen oder die Gefahrensituation zu groß wird. Die Zahlen zeigen zudem, dass häusliche Gewalt kein Einzelfall ist, sondern viele Lebensbereiche durchdringt – von Partnerschaften über familiäre Beziehungen bis zu Trennungssituationen.

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„Jeder Hilfe suchenden Frau wird Hilfe geboten“, sagte Bernhardt in Ribnitz-Damgarten. Sie hob hervor, dass Unterstützung auch dann organisiert werde, wenn eine unmittelbare Aufnahme in ein Schutzhaus aus Kapazitätsgründen nicht möglich ist. In solchen Fällen erfolgt eine Vermittlung an andere geeignete Angebote, etwa spezialisierte Beratungsstellen, Notwohnungen oder externe Hilfedienste.

Schutz vor weiterer Gewalt

Die Frauenschutzhäuser bieten Frauen und ihren Kindern in erster Linie Schutz vor weiterer Gewalt, aber auch Stabilisierung, Beratung und Begleitung bei rechtlichen, sozialen und psychologischen Fragen. Dazu zählen unter anderem Hilfe bei Anträgen, die Unterstützung im Kontakt mit Behörden, die Vermittlung von Rechtsberatung, die Begleitung in Trennungs- und Sorgerechtsfragen sowie der Zugang zu therapeutischen Hilfen.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Kindern, die häufig Zeugen oder selbst Betroffene der Gewalt sind. „Sie bieten den Kindern ein Stück Normalität“, betonte die Ministerin. In den Schutzhäusern erhalten Kinder eine sichere Umgebung, in der sie zur Ruhe kommen können. Gleichzeitig werden pädagogische Angebote und Ansprechpartner bereitgestellt, um das Erlebte zu verarbeiten und den Alltag – etwa den Schul- oder Kitabesuch – so stabil wie möglich fortzuführen.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert nach eigenen Angaben ein flächendeckendes, spezialisiertes Hilfe- und Beratungsnetz für Betroffene häuslicher und sexualisierter Gewalt. Ziel ist es, niedrigschwellige Zugänge zu schaffen, Schutzräume zu sichern und die Qualität der Beratung kontinuierlich zu stärken.

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