Großeinsatz nach Sprengstoffvorfall im ICE: 20-Jähriger in Untersuchungshaft
Ein schockierender Vorfall erschütterte am Donnerstagabend den Reiseverkehr in Nordrhein-Westfalen. In einem ICE zwischen Aachen und Frankfurt zündete ein 20-jähriger Mann laut Polizeiangaben zwei Sprengvorrichtungen und drohte mit einem Anschlag. Mindestens zwölf Personen erlitten dabei leichte Verletzungen, während der Täter am Bahnhof Siegburg festgenommen wurde und sich nun in Untersuchungshaft befindet.
Motivsuche: Politische und psychische Hintergründe im Fokus
Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf betonte am Freitag, dass das genaue Motiv des Mannes noch unklar sei. Die Ermittler beziehen jedoch verschiedene Aspekte in ihre Bewertung ein. Einerseits gibt es Erkenntnisse, dass der 20-Jährige politisch „dem rechten Spektrum zuzuordnen“ sei, wie eine Sprecherin mitteilte. Andererseits liegen auch Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung des Täters vor. Die genauen Umstände der Tat werden derzeit intensiv aufgeklärt.
Ein Ermittlungsrichter in Aachen erließ am Freitagnachmittag Haftbefehl gegen den Mann. Dieser lautet unter anderem auf den Verdacht des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und von Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Die Untersuchungshaft wurde unmittelbar angeordnet.
Chaotische Szenen im Zug: Fahrgäste werden zu Helden
Der Vorfall ereignete sich am Abend des 2. April 2026, kurz vor Beginn des Osterwochenendes. Der Mann soll zunächst die entzündeten Gegenstände im Zug geworfen haben, bevor er sich auf die Toilette zurückzog. Mutige Fahrgäste setzten den Täter dort fest und hielten ihn bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte unter Kontrolle. Der ICE wurde daraufhin vollständig geräumt.
Bei der anschließenden Durchsuchung des Mannes fanden Bundespolizisten zwei Messer, eine Maske sowie zwei frei verkäufliche Rauchkörper. Die gezündeten Gegenstände, bei denen es sich nach aktuellen Ermittlungserkenntnissen um Sprengvorrichtungen handeln soll, werden forensisch untersucht.
Verletzungen und Versorgung der Reisenden
Die meisten der etwa 180 Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon, doch zwölf Personen erlitten leichte Verletzungen. Ein Mensch zog sich vermutlich ein Knalltrauma zu und wurde vorsorglich in ein Bonner Krankenhaus gebracht, konnte dieses aber kurze Zeit später wieder verlassen. Eine Sprecherin der Bundespolizei sprach von „leichten, oberflächlichen Hautverletzungen“ bei Betroffenen.
Viele der Reisenden waren Urlaubsreisende, die mit ihren Koffern auf dem Bahnsteig in Siegburg standen. Die Feuerwehr versorgte die Passagiere in einer nahegelegenen Turnhalle, während Notfallseelsorger psychologische Betreuung anboten. Der Zugverkehr in der Region war vorübergehend eingeschränkt, wurde aber später wieder aufgenommen.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf und der Staatsschutz der Bonner Polizei führen die Ermittlungen. Am Freitag hieß es, dass sowohl die Spuren vom Tatort als auch die gezündeten Gegenstände weiterhin intensiv untersucht werden. Weitere Details zu den Sprengvorrichtungen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Interessant ist die Entwicklung der Meldungen: Ursprünglich waren um 20:55 Uhr vermeintliche Schüsse im ICE 19 am Bahnhof Siegburg gemeldet worden. Später stellte sich heraus, dass die entzündeten Gegenstände die Knallgeräusche verursacht hatten. Die Polizei hatte zunächst von Pyrotechnik gesprochen, die Bundespolizei von sogenannten Softair-Böllern.
Der Zug und das betroffene Bahngleis wurden nach gründlicher Untersuchung wieder freigegeben. Die Ereignisse werfen jedoch ernste Fragen zur Sicherheit im Schienenverkehr und zur Bedrohungslage durch Einzeltäter auf.



