Junger Mann betrügt jahrelang Internetkäufer und belastet Cousin vor Gericht
Internetbetrug: Cousin belastet Angeklagten vor Gericht

Jahrelanger Internetbetrug: Geständiger belastet Cousin vor Gericht

Ein besonders dreister Fall von Internetbetrug beschäftigt aktuell das Amtsgericht Neubrandenburg. Ein 28-jähriger Zeuge aus Friedland in der Mecklenburgischen Seenplatte hat vor Gericht gestanden, über mehrere Jahre hinweg systematisch Käufer über ein bekanntes Internetverkaufsportal betrogen zu haben. Durch seine Aussagen bringt er nun seinen eigenen Cousin auf die Anklagebank.

Geständnis im Gerichtssaal

„Ich wollte damals auf diese Weise Geld für meinen Drogenkonsum haben und habe die Passwörter des Handys sowie die nötigen PIN-Nummern meines Cousins alle gekannt“, räumte der Zeuge während seiner Vernehmung ein. Der arbeitslose Mann erklärte, er habe seinem Cousin kurz vor Prozessbeginn alles gestanden und wolle nun „reinen Tisch machen“. Diese Offenbarung ließ die Prozessbeteiligten sichtlich staunen.

Laut Staatsanwaltschaft wurden über den Smartphone- und Internet-Account des Angeklagten zwischen 2018 und 2024 regelmäßig moderne Handys, Smartwatches und Spielekonsolen angeboten. Die Transaktionen liefen über ein gängiges Verkaufsportal mit integriertem Messengerdienst. „Das habe ich da reingestellt“, gestand der 28-Jährige unumwunden im Gerichtssaal.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Betrugsmethode mit System

Der Zeuge schilderte detailliert sein Vorgehen: Wenn sich interessierte Käufer bei dem Anbieter aus Friedland meldeten, beantwortete er persönlich deren Fragen zu Garantiezeiten oder Nutzungsdauer und forderte den Kaufpreis im Voraus ein. Nach Eingang der Zahlungen packte er zwar Pakete, diese waren jedoch meist leer oder mit wertlosem Inhalt gefüllt.

Die betrogenen Summen lagen pro Fall zwischen 150 und 600 Euro, sodass der Gesamtschaden bereits eine fünfstellige Höhe erreicht haben soll. Alle betroffenen Käufer erstatteten Strafanzeigen, was die Ermittlungen in Gang setzte. Die Polizei warnt regelmäßig davor, bei allzu durchsichtig günstigen Preisen für Simson-Ersatzteile, Balkonkraftwerke oder Smartphones Geld zu überweisen, ohne die Ware persönlich in Augenschein genommen zu haben.

Familienkonflikte als Motiv

Richterin Scharner fragte den Zeugen direkt: „Aber warum bringen Sie denn ihren Cousin vor Gericht?“ Pro Betrugsfall liegt die Mindeststrafe bei gewerbsmäßigem Handel bei sechs Monaten Haft. Der 28-Jährige erklärte, er habe „kein so ganz gutes Verhältnis“ zu seinem Cousin gehabt. Wegen der „Nichten und Neffen“ sei er damals jedoch problemlos bei der Familie ein- und ausgegangen, die mal in Anklam und mal in Friedland lebte.

Als weiteres Motiv nannte er: „Und außerdem war ich verliebt in seine Frau.“ Er habe den Cousin auch „aus dem Weg haben wollen“. Zu einem tatsächlichen Liebesverhältnis mit der angebeteten Frau soll es jedoch nicht gekommen sein.

Ermittlungen und Prozessverlauf

Der geständige Zeuge zeigte sich während des Prozesses um keine Antwort verlegen. Das durch die Scheinverkäufe auf das Konto des Cousins überwiesene Geld habe er möglichst sofort abgehoben. „Ich habe ja gewusst, wann es kommt“, sagte er. Diese Abhebungen erfolgten regelmäßig bei zwei bestimmten Geldinstituten.

Besonders erstaunlich für Verteidiger Torsten Werner war die Tatsache, dass einer der bei den „krummen Geschäften“ verwendeten Chatnamen direkt auf den Namen des Zeugen lautete. Diese offensichtliche Spur hätte die Ermittler eigentlich direkt zu ihm führen müssen.

Ausblick auf das Verfahren

Wie es für den angeklagten Cousin weitergeht, wird sich im März zeigen. Die bereits erhobene Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs in etwa 20 Fällen muss zunächst weiterverhandelt werden. Beim nächsten Verhandlungstermin sind auch die Schwester des geständigen Zeugen, der seine Drogensucht inzwischen unter Kontrolle haben will, sowie die Frau, in die er verliebt war, als Zeugen geladen.

Für den Cousin könnte es auf einen Freispruch hinauslaufen, wenn das Gericht den umfassenden Aussagen des geständigen Zeugen Glauben schenkt. Der 28-Jährige betonte mehrfach seinen Willen zur Aufklärung und seine Bereitschaft, die volle Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration