Hamburger Jugendlicher imitiert brutales Vorgehen des »White Tiger«-Netzwerks
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat einen Jugendlichen wegen mutmaßlicher Sexualverbrechen in Onlinegruppen angeklagt, die dem Vorbild des internationalen Sadisten-Netzwerks »764« folgen sollen. Dem Angeklagten werden in insgesamt 37 Fällen schwere Straftaten zur Last gelegt, darunter sexueller Missbrauch von Kindern und gefährliche Körperverletzung.
Emotionale Manipulation und erzwungene Selbstverletzungen
Laut den Ermittlungen soll der Jugendliche zwischen Mai 2023 und März 2024 sieben Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren in sozialen Medien kontaktiert haben. Durch emotionale Manipulation habe er die Minderjährigen dazu gebracht, sich vor laufender Kamera zu sexuellen Handlungen und immer gravierenderen Selbstverletzungen zu zwingen. In einem besonders drastischen Fall soll er ein Mädchen überredet haben, die Namen des Angeschuldigten und von ihm gegründeter Gruppen in die eigene Haut zu ritzen.
Keine direkte Verbindung zum »White Tiger«-Netzwerk
Die Staatsanwaltschaft betont, dass zwar deutliche Parallelen zu den Methoden des pädokriminellen Netzwerks »764« bestehen, jedoch keine direkten Verbindungen zum angeklagten Shahriar J. nachgewiesen werden konnten. Dieser hatte unter dem Pseudonym »White Tiger« zwischen 2021 und 2023 insgesamt 204 Straftaten begangen und steht seit Januar 2026 vor dem Landgericht Hamburg. Das Netzwerk »764« sucht sich gezielt labile Minderjährige aus, täuscht Freundschaft vor und erpresst die Opfer dann zu drastischen Gewalttaten gegen sich selbst.
Zusätzliche homophobe Angriffe dokumentiert
Neben den sexualisierten Gewalttaten wirft die Anklage dem Jugendlichen auch homophobe Attacken vor. Zwischen Sommer 2024 und Frühjahr 2025 soll er über Dating-Portale elf Treffen mit Männern vereinbart haben, um diese aus vermutlich homophoben Motiven unvermittelt anzugreifen und zu verletzen. Der Angeschuldigte befindet sich seit dem 23. Dezember 2025 in Untersuchungshaft. Sollte es zu einem Prozess kommen, wird dieser unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Hintergrund des Netzwerknamens »764«
Der Name der Onlinegruppe »764« bezieht sich auf die ersten drei Ziffern der Postleitzahl eines 15-jährigen Texaners, der das Netzwerk Anfang 2021 gegründet hat. Die Gruppe hat sich darauf spezialisiert, gezielt vulnerable Minderjährige auszusuchen, um sie durch Manipulation, Bedrohung und Erpressung zu schweren Selbstverletzungen bis hin zum Suizid zu treiben. Die aktuellen Ermittlungen in Hamburg zeigen, wie gefährlich solche Vorbilder auch in Deutschland nachgeahmt werden können.



