Lebenslange Haft nach tödlichem Messerangriff: TikTok-Streit eskaliert in Berlin-Neukölln
Ein 24-jähriger Mann aus Afghanistan ist wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den Angeklagten schuldig, nachdem er im Juni 2025 seinen 28-jährigen Landsmann im Körnerpark in Berlin-Neukölln mit einem Jagdmesser getötet hatte. Der Richter Thomas Groß bezeichnete die Tat als „pure Selbstjustiz“, die aus einem übersteigerten Ehrgefühl heraus begangen wurde.
Von digitalen Beleidigungen zur tödlichen Realität
Der Konflikt zwischen Täter und Opfer hatte sich über Monate hinweg auf der Plattform TikTok aufgebaut. In Gruppentelefonaten und anderen sozialen Medien kam es zu gegenseitigen Beleidigungen, die schließlich in einer physischen Konfrontation mündeten. Der Angeklagte suchte das Opfer gezielt im Park auf, zog ein Messer und verfolgte den fliehenden 28-Jährigen, der in Todesangst ins Straucheln geriet. In der Nähe eines Brunnens holte der Täter das Opfer ein und stach mehrfach auf ihn ein, bevor er „sehr geordnet“ flüchtete. Das Opfer erlag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Geplante Tat mit niedrigen Beweggründen
Das Gericht wertete den Angriff als eine geplante Tat und nicht als spontanen Entschluss. Richter Groß betonte, wie schockierend es sei, dass Beleidigungen in der digitalen Welt zu einer solchen tödlichen Eskalation führen können. Der Angeklagte hatte seine Versuche, das Opfer direkt zu konfrontieren, sogar live über eine Plattform dokumentiert, was die Vorsätzlichkeit unterstreicht. In dem dreimonatigen Prozess gestand der 24-Jährige die tödlichen Stiche, behauptete aber, sie seien aus der Situation heraus geschehen.
Urteil folgt Staatsanwaltschaft – noch nicht rechtskräftig
Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Verurteilung wegen Mordes plädierte. Die Verteidiger hatten hingegen auf einen Schuldspruch wegen Totschlags ohne konkreten Strafantrag gedrängt. Der Angeklagte wurde einen Tag nach der Tat festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann somit angefochten werden. Dieser Fall unterstreicht die gefährlichen Konsequenzen, die aus Online-Konflikten erwachsen können, wenn sie in die reale Welt übertragen werden.



