Messerangriff am Holocaust-Mahnmal: Angeklagter schildert Lebensweg vor Gericht
Vor dem Berliner Kammergericht hat sich der Angeklagte im Prozess um den Messerangriff am Holocaust-Mahnmal erstmals ausführlich zu seinem Leben geäußert. Der 20-jährige Syrer, der einen spanischen Touristen lebensgefährlich verletzt haben soll, gab Einblicke in seine Vergangenheit und die Motive, die zu der Tat führten.
Schweigen gebrochen: Angeklagter äußert sich nach Monaten
Seit Ende November 2025 läuft der Prozess gegen den jungen Mann, der bislang geschwiegen hatte. Am 14. Verhandlungstag brach er sein Schweigen und schilderte detailliert seinen Werdegang. Der Angeklagte betonte, den Begriff Holocaust erst im Gerichtssaal gehört zu haben, als ihm die Vorwürfe durch einen Dolmetscher erläutert wurden. „Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich dem Ort nicht nähergekommen“, erklärte er vor den Richtern.
Bundesanwaltschaft sieht radikal-islamistische Motivation
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Syrer versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und versuchte Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Laut Anklage soll der Angriff im Namen des „Islamischen Staats“ (IS) erfolgt sein, mit dem Ziel, einen Menschen zu töten. Die Tat wird als radikal-islamistisch und antisemitisch motiviert eingestuft.
Tathergang und Festnahme
Am 21. Februar des vergangenen Jahres soll der Angeklagte aus Leipzig nach Berlin gereist sein, um Juden zu töten. Im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals unweit des Brandenburger Tors verletzte er einen 31-jährigen spanischen Touristen durch einen 14 Zentimeter langen Schnitt an der Kehle lebensgefährlich. Etwa zweieinhalb Stunden nach der Attacke stellte sich der Syrer mit blutverschmierten Händen der Polizei.
Lebensgeschichte: Flucht, Isolation und Radikalisierung
Der Angeklagte schilderte seinen Lebensweg in bewegenden Worten:
- Er und sein Bruder verließen Syrien Anfang 2023 mit Hilfe von Schleusern, um dem Militärdienst zu entgehen.
- Die Eltern finanzierten die Flucht durch den Verkauf ihres Hauses.
- In Deutschland lebte er in einem Leipziger Wohnheim, besuchte nur kurz die Schule und fand eine gut bezahlte Arbeit, die er Ende 2024 verlor.
In der Folge rauchte er zunehmend Cannabis, konsumierte Filme und IS-Videos. Diese Videos hätten ihn „für eine gewisse Zeit verändert“, so der 20-Jährige. Er sei „nicht mehr so kommunikativ gewesen, sondern ein einsamer Mensch“. Die Inhalte überzeugten ihn nicht immer, er sah sie „manchmal so, manchmal so“. Eigentlich sei er zum Lernen nach Deutschland gekommen, aber vom Weg abgekommen – „es ging damit los, dass ich Haschisch und Marihuana rauchte und allein wohnte“.
Prozessfortsetzung und mögliche Stellungnahme
Der Verteidiger kündigte an, dass sich der Angeklagte möglicherweise an einem der nächsten Verhandlungstage zu den konkreten Vorwürfen äußern werde. Der Prozess wird am 18. Februar fortgesetzt, wo weitere Zeugen und Gutachten erwartet werden. Die Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großer Aufmerksamkeit, da er Fragen zu Radikalisierung, Integration und Sicherheit an historisch sensiblen Orten aufwirft.



