Münchner Gewaltexzess: Personalberater schlägt Rentnerin und Nachbarin fast tot
Den 1. Mai 2026 wird Astrid S. (86) nie mehr vergessen. Als es gegen 7.50 Uhr an ihrer Wohnungstür klingelte, dachte sich die pflegebedürftige Rentnerin, die auf einen Rollator angewiesen ist, nichts Böses. Sie sagte noch "erste Etage" durch die Gegensprechanlage und öffnete die Tür. Plötzlich stand Florian M. (34) in ihrer Wohnung – der Beginn eines hemmungslosen Gewaltexzesses.
Aus dem Nichts schlug der für sie völlig fremde Mann mit einer Weinflasche auf ihren Kopf, danach hagelte es Faustschläge. Die Nachbarin Hedwig C. (59) hörte die Schreie, wollte helfen und wurde ebenfalls brutal attackiert. Beide Opfer erlitten schwere Brüche am Kopf und im Gesicht und mussten medizinisch versorgt werden.
Staatsanwaltschaft wirft versuchten Mord vor
Die Staatsanwaltschaft München I erhebt schwere Vorwürfe gegen den 34-jährigen Personalberater einer internationalen Firma. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Er soll die beiden Frauen wahllos attackiert haben, um sich laut Anklage abzureagieren, weil er offenbar kein Kokain mehr hatte. Fingerabdrücke in der Wohnung der Rentnerin überführten den Täter.
Vor Gericht gestand Florian M. die Taten, lieferte jedoch eine abenteuerliche Begründung, die bei Prozessbeobachtern für Kopfschütteln sorgte. Selbst Richterin Elisabeth Ehrl gab ihm einen deutlichen Hinweis: "Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie maßlos übertreiben. Das kann nach hinten losgehen."
Abenteuerliche Rechtfertigung und psychiatrische Begutachtung
Der Personalberater behauptete, in den beiden Frauen "schwarze Gestalten" gesehen zu haben. Er gab an, unter Verfolgungswahn gelitten zu haben, ausgelöst durch seinen Alkohol- und Kokainkonsum. Florian M. sprach von einem "Schleier", der sich über ihn gelegt habe, als sei er blind gewesen. "Ich erkannte nur Umrisse und Lichter", so seine Aussage.
Interessanterweise soll er, nachdem die 86-Jährige blutend und regungslos am Boden lag, rational klar gewesen sein und die Flucht ergreifen wollen. Als die Nachbarin hinzukam, sah er angeblich wieder nur eine "schwarze Gestalt". Die Frage der psychiatrischen Gutachterin, warum er die alarmierten Polizisten nicht als "schwarze Gestalten" wahrgenommen habe, konnte der 34-Jährige nicht beantworten.
Alkoholexzess vor der Tat
Stunden vor der brutalen Attacke traf sich Florian M. mit rund zehn Arbeitskollegen im In-Lokal "Brezenreiter" am Münchner Viktualienmarkt. Angeblich konsumierte die Gruppe "fünf bis sechs Aperol-Tower" mit jeweils 3 Litern Inhalt. Es folgte eine wilde Partynacht in einem italienischen Restaurant und einer Tanzbar mit reichlich Alkohol – Wein, Tequila-Shots, Wodka-Soda und Whisky.
Richterin Ehrl zeigte sich skeptisch gegenüber diesen Angaben: "Vom Hören kommt es mir wahnsinnig viel vor. Um das zu klären, brauchen wir die Rechtsmedizin. Nicht, dass Sie auf sieben Promille kommen und eigentlich schon tot sein müssten. Mit Aperol Spritz kenne ich mich nicht aus." Eine Haarprobe des Angeklagten soll außerdem auf übermäßigen Kokainkonsum hinweisen.
Die Frage, ob es sich bei den Schilderungen um den Versuch handelt, auf verminderte Schuldfähigkeit zu plädieren, bleibt vorerst offen. Der Prozess gegen den 34-jährigen Personalberater, der sich bei den Opfern entschuldigt hat, wird fortgesetzt.



