Nach mutmaßlicher Vergewaltigung in Jugendzentrum: Rücktrittsforderungen gegen Jugendstadträtin
Nach Bekanntwerden einer mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln bleibt die Einrichtung vorerst geschlossen. Ein 16-jähriges Mädchen soll dort Ende 2025 von Jugendlichen vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Die Polizei erfuhr erst durch die Anzeige des Vaters am 23. Februar von dem Vorfall.
Politische Konsequenzen gefordert
Die CDU-Fraktion in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung hat einen Antrag auf Abwahl von Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) eingereicht. Fraktionsvorsitzender Markus Oegel betonte, der "skandalöse Vorgang" müsse Konsequenzen haben. Auch die SPD-Fraktion fordert den Rücktritt der Stadträtin. Eine Beratung über den Abwahlantrag könnte im April erfolgen, die Abstimmung im Mai.
Kritik von den Grünen
Nach einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses kritisierte die Grünen-Fraktion, dass Nagel weiterhin zentrale Fragen unbeantwortet lasse. Die Vorsitzende des Ausschusses, Beate Bruker, und der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Tjado Stemmermann forderten eine "lückenlose Aufklärung" und setzten Fristen für angekündigte Konsequenzen. Bis zum 1. Juni soll ein Zwischenbericht, bis zum 1. September ein Abschlussbericht vorliegen.
Ermittlungen wegen Strafvereitelung
Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln zu dem Vorfall. Neben der mutmaßlichen Vergewaltigung wurden auch Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung und Strafvereitelung im Amt eingeleitet. Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass mehrere Hinweise auf "fehlerhaftes bzw. gegebenenfalls strafrechtlich relevantes Handeln" eingegangen seien, Details wurden jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt.
Umsetzung beim Jugendamt
Weder das Jugendzentrum noch das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln haben Anzeige erstattet. Es gibt unterschiedliche Darstellungen zu den Gründen. Das Jugendamt soll entschieden haben, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn das Einverständnis des Opfers vorliege. Es besteht jedoch der Verdacht, dass der Vorfall nicht gemeldet wurde, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren.
In einem "Spiegel"-Bericht widerspricht die verantwortliche Mitarbeiterin des Jugendamts diesem Vorwurf. Sie betonte in einer E-Mail, dass es ihr nie in den Sinn gekommen sei, Täter zu schützen, egal aus welchem Grund. Die Mitarbeiterinnen des Mädchenzentrums, die die mutmaßlich vergewaltigte 16-Jährige betreuten, hatten zuvor eine Erklärung abgegeben, die den Verdacht untermauert.



