Jahrelang wurde der Zettel unter Verschluss gehalten. Jetzt sorgt die handschriftliche Notiz für neue Fragen im Fall Jeffrey Epstein (†66). In New York hat das Gericht einen mutmaßlichen Abschiedsbrief des verurteilten Sexualverbrechers veröffentlicht. Epstein war am 10. August 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich selbst das Leben.
Inhalt des Briefes
Der Brief beginnt mit den Worten: „Sie haben monatelang ermittelt – nichts gefunden!!!“ Zwei Zeilen später folgt etwas, was als Ankündigung eines Suizids gedeutet werden kann: „Es ist ein Privileg, selbst den Zeitpunkt wählen zu können, um Lebewohl zu sagen.“ Am Ende heißt es, in Großbuchstaben und unterstrichen: „KEIN SPASS“ und „NICHT WERT!“
Fund des Zettels
Aufgetaucht war der Zettel in einem Strafverfahren gegen Epsteins früheren Zellengenossen Nicholas Tartaglione, einem Ex-Polizisten und inzwischen verurteilten Mörder. Die „New York Times“ (NYT) hatte vergangene Woche beantragt, das Dokument freizugeben. Die Zeitung betont aber auch, sie habe nicht verifizieren können, ob der Text tatsächlich von Epstein stammt.
In einem Telefoninterview aus dem Gefängnis berichtete Tartaglione der „New York Times“, dass er den Zettel in einem Comicroman gefunden habe. Epstein sei da nach dem Suizidversuch gerade aus der Zelle gebracht worden. „Ich schlug das Buch auf, um zu lesen, und da war es“, erinnert sich Tartaglione in dem Interview.
Echtheit des Briefes
Ist der Brief wirklich echt? Laut NYT sind in dem Schreiben einige Formulierungen zu finden, die Epstein auch in E-Mails benutzt haben soll, etwa „in Tränen ausbrechen“ und „Kein Spaß“. Diese Worte tauchten laut Bericht auch in einer anderen Notiz auf, die in seiner Gefängniszelle nach seinem Tod gefunden wurde.
Ex-Polizist Tartaglione stand zunächst im Verdacht, Epstein in der gemeinsamen Zelle angegriffen zu haben. Er habe den Zettel seinen Anwälten übergeben, um seine Unschuld zu beweisen. Das Original reichten die Anwälte dem Gericht jedoch erst im Mai 2021 weiter – fast zwei Jahre nach Epsteins Tod.



