Rechtsextreme Gewaltwelle erschüttert Cottbus
Die Stadt Cottbus wird derzeit von einer Serie rechtsextremer Vorfälle heimgesucht, die bei der örtlichen Polizei und zivilgesellschaftlichen Initiativen größte Besorgnis auslösen. Am vergangenen Donnerstag sollen gleich mehrere Angriffe mit mutmaßlich politischem Hintergrund stattgefunden haben, die gezielt gegen linksgerichtete und zivilgesellschaftlich engagierte Bürger gerichtet waren.
Zwei brutale Attacken in derselben Straße
Nach Angaben der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ und des Vereins Opferperspektive ereigneten sich zwei der Vorfälle fast zeitgleich in derselben Straße. Im ersten Fall wurde eine antifaschistisch aktive Person auf dem Fahrrad von einem anderen Radfahrer bedrängt und genötigt. Der Täter forderte laut Zeugenaussagen die Tasche mit antifaschistischen Symbolen, verhöhnte sein Opfer und riss gewaltsam einen Button ab. Die Polizeidirektion Süd bestätigt, dass die Ermittler den Verdacht der Nötigung und des Diebstahls prüfen. Ein Sprecher betonte, dass auch ein politisches Motiv untersucht werde, da dies aufgrund der Schilderungen naheliege.
Haustür gewaltsam aufgebrochen
Die zweite, besonders brutale Attacke richtete sich gegen ein Mitglied des Presseteams der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ im privaten Wohnumfeld. „Am späten Nachmittag des gestrigen Tages haben zwei Neonazis die Haustür aufgetreten, waren mehrere Stockwerke zur Wohnung vorgedrungen und hatten vor der Wohnungstür randaliert“, schilderte das Netzwerk den Vorfall. Am Briefkasten wurden mehrere Aufkleber hinterlassen, darunter einer mit der beleidigenden Aufschrift „Piss dich nach Berlin“. Auch hier wurde umgehend Strafanzeige erstattet.
Ricarda Budke, Sprecherin der Initiative, zeigte sich tief schockiert über die Eskalation der Gewalt: „Besonders bedrohlich ist das Eindringen ins private Wohnumfeld. Diese Angriffe zielen darauf ab, engagierten Menschen ihre Rückzugsräume zu nehmen und sie zu vertreiben“, erklärte Budke nachdrücklich. Sie forderte Politik und Gesellschaft auf, sich öffentlich mit den Angegriffenen zu solidarisieren.
Hitlergruß auf Autobahnbrücke und verbotene Parolen
Neben diesen direkten Übergriffen kam es in Cottbus zu zwei weiteren mutmaßlichen Propagandadelikten. Zeugen berichteten der Polizei, dass zwei Männer auf einer Brücke der Autobahn A13 vorbeifahrenden Autofahrern den verbotenen Hitlergruß zeigten. Die Beamten konnten zwei junge Tatverdächtige stellen. Zudem riefen Unbekannte kurz nach Mitternacht mehrmals eine verbotene Parole, was weitere Ermittlungen nach sich zog.
Brandenburg verzeichnet Höchststand rechter Gewalt
Der Verein Opferperspektive wies darauf hin, dass die Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg im Jahr 2025 einen besorgniserregenden Höchststand erreicht hat. Insgesamt 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe wurden gezählt – im Vergleich zu 273 Angriffen im Vorjahr 2024. Auch die Zahl der Betroffenen stieg auf einen Rekordwert von 523 Personen an. Diese Entwicklung unterstreicht die Dringlichkeit, mit der die Behörden und die Zivilgesellschaft auf die zunehmende Bedrohung durch rechtsextreme Gruppierungen reagieren müssen.
Die Polizei in Cottbus setzt ihre Ermittlungen zu allen Vorfällen mit Hochdruck fort und sucht nach weiteren Zeugen und Hinweisen. Die Initiativen vor Ort fordern verstärkte Schutzmaßnahmen für bedrohte Personen und eine konsequente Aufklärung aller politisch motivierten Straftaten.



