Polizeianwärter bei erster Verkehrskontrolle: Persönliche Motive und Herausforderungen im Beruf
Polizeianwärter bei erster Verkehrskontrolle: Motive und Herausforderungen

Polizeianwärter im Praxistest: Erste Verkehrskontrolle als wichtige Etappe

Im Berliner Stadtteil Tiergarten führten etwa 30 Polizeianwärterinnen und -anwärter am Montagvormittag umfangreiche Verkehrskontrollen durch. Diese praktische Übung ist ein wesentlicher Bestandteil ihres theoretisch-praktischen Studiums an der Polizeiakademie und dient als Vorbereitung auf den gehobenen Dienst bei der Schutz- oder Kriminalpolizei. Begleitet wurden die Nachwuchskräfte von erfahrenen Beamten, Spezialeinheiten wie der Begleitschutz- und Verkehrshundertschaft sowie Drogenspürhunden.

Vielfältige Motivationen für den Polizeiberuf

Die angehenden Kommissarinnen und Kommissare nutzten die Gelegenheit, um über ihre ganz persönlichen Beweggründe für die Berufswahl zu sprechen. Eine 23-jährige Anwärterin betonte die Abwechslung und den intensiven Kontakt mit Menschen: „Es gibt einen abwechslungsreichen Alltag, man kommt mit vielen Leuten in Kontakt, lernt viel“. Als eher klein gewachsene Frau setzt sie besonders auf selbstsicheres Auftreten und verbale Kommunikation: „Meine Taktik ist, alles, was geht, mit dem Mund und der Sprache zu machen“.

Umgang mit Respektlosigkeit und persönlichen Erfahrungen

Ein 21-jähriger Anwärter mit Migrationshintergrund berichtete von seinen Strategien im Umgang mit respektlosem Verhalten und Rassismus, den er bereits während eines Praktikums erlebt hatte: „Wenn Menschen sich respektlos gegenüber den Polizistinnen und Polizisten verhalten, ist es wichtig, dass man weiß, in dem Moment ist die Person nicht sauer mir gegenüber, sondern der Polizei“. Diese professionelle Distanzierung helfe ihm, schwierige Situationen zu meistern.

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Persönliche Schicksale als Antrieb

Besonders bewegend war der Bericht des angehenden Kommissars Hans Clemens, der vor seinem Polizeistudium beim Radio arbeitete. Ein traumatisches Ereignis prägte seine Berufswahl entscheidend: „2003 wurde mein Vater erstochen. Und es gibt keine Zeugen dafür“. Der Täter habe mit Notwehr argumentiert und nur eine kurze Gefängnisstrafe erhalten. Clemens fühlte sich als Kind nicht ausreichend von der Polizei betreut und möchte dies heute anders machen: „Ich will das anders machen“.

Herausforderungen und Verantwortungsbewusstsein

Eine andere Anwärterin, die zuvor Soziologie und Politik studiert und in einem Energieunternehmen gearbeitet hatte, sprach offen über die besonderen Herausforderungen der Polizeiarbeit. Sie interessiert sich besonders für Wirtschaftskriminalität und den Schutz von Kindern bei Sexualdelikten: „Ich finde Wirtschaftskriminalität unheimlich interessant zu bearbeiten. Ich finde aber auch, dass man Kindern helfen muss im Bereich der Sexualdelikte“. Die damit verbundene Verantwortung nehme sie sehr ernst, auch wenn sie manchmal beängstigend sei: „Das ist manchmal etwas beängstigend, aber am Anfang wahrscheinlich auch normal“.

Erfolgreicher Einsatz mit konkreten Ergebnissen

Die Verkehrskontrolle verlief insgesamt erfolgreich. Hans Clemens, der während des Einsatzes auch als Pressesprecher fungierte, zog eine positive Bilanz: „Die Kontrollierten seien alle nüchtern gewesen, aber es wurde einmal Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie gefälschte Papiere aufgedeckt“. Zudem gab es Verstöße wie Fahren über Rot, Handynutzung am Steuer und das Fehlen des Sicherheitsgurts.

Polizeikommissar Ömer Keleşoğlu zeigte sich mit der Leistung der Anwärterinnen und Anwärter sehr zufrieden: „Es war die Generalprobe für die Zeit nach dem Studium und ich denke, das haben sie alle sehr gut gemeistert“. Die praktische Übung hat somit nicht nur rechtliche Verstöße aufgedeckt, sondern den Nachwuchskräften auch wertvolle Erfahrungen für ihren zukünftigen Berufsalltag vermittelt.

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