Vergewaltigungsprozess gegen Marius Borg Høiby: Drei Frauen belasten Sohn der Kronprinzessin
Seit zwei Wochen läuft in Norwegen ein aufsehenerregender Prozess gegen Marius Borg Høiby, den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Der 29-Jährige muss sich wegen insgesamt 38 Anklagepunkten verantworten, darunter vier Vergewaltigungsvorwürfe, Fälle von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung sowie Drogen- und Verkehrsdelikte. Während Høiby einige dieser Vorfälle eingeräumt hat, bestreitet er die Vorwürfe der Vergewaltigung entschieden.
Aussagen der mutmaßlichen Opfer vor Gericht
In den ersten beiden Prozesswochen kamen mehrere mutmaßliche Opfer zu Wort und gaben ihre Aussagen vor dem norwegischen Gericht ab. Die Staatsanwaltschaft legte dabei belastendes Beweismaterial vor, darunter Videos, die Høiby mit seinem Handy aufgenommen haben soll. Die Verteidigung argumentiert hingegen, dass Høiby alle Handlungen als einvernehmliche sexuelle Beziehungen wahrgenommen habe.
Drei konkrete Vorfälle im Detail
Vorfall 1 – Die Residenz des Kronprinzenpaars: In der ersten Prozesswoche wurde eine Frau befragt, die angab, im Dezember 2018 nach einer Party im Keller der Residenz des Kronprinzenpaars in Oslo von Høiby vergewaltigt worden zu sein.
Vorfall 2 – Die Lofoten: Diese Woche ging es vor Gericht um eine Nacht im Oktober 2023 auf den Lofoten, einer Inselgruppe in Norwegen. Dort soll Høiby eine Frau im Schlaf vergewaltigt haben, nachdem die beiden zuvor einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hatten. Die junge Frau beschrieb dies als „den schlimmsten Albtraum meines Lebens“ und betonte, sie habe sich nicht wehren können. Die Staatsanwaltschaft präsentierte ein Video und Daten einer Fitnessuhr als Beweis für ihren Schlafzustand.
Vorfall 3 – Die Wohnung in Oslo: Ein dritter Vorfall soll im März 2024 in einer Wohnung in Oslo stattgefunden haben. Das mutmaßliche Opfer, das Høiby auf einer Party kennengelernt hatte, gab an, unter dem Einfluss von Alkohol und Schlaftabletten gewesen zu sein und sich nicht verteidigen zu können. Høiby soll sie ohne ihr Wissen gefilmt haben, was in einem weiteren Anklagepunkt thematisiert wird. Er selbst erklärte, einen „Blackout“ gehabt zu haben und nur vage Erinnerungen an den Abend.
Zentrale Frage des Verfahrens
Eine zentrale Frage des Prozesses ist, ob die Frauen in der Lage waren, den Geschlechtsverkehr abzulehnen. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass alle mutmaßlichen Vergewaltigungen nach zunächst einvernehmlichem Sex stattfanden, oft nach Abenden mit starkem Alkoholkonsum, der die Frauen wehrlos gemacht habe. Høiby hingegen behauptet, stets von Einvernehmen ausgegangen zu sein.
Hintergrund und mögliche Konsequenzen
Marius Borg Høiby ist der Sohn von Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, bevor sie Kronprinz Haakon heiratete. Ihm drohen bis zu 16 Jahre Haft, falls er schuldig gesprochen wird. Ein Urteil wird voraussichtlich bis Mitte März erwartet. Der Prozess hat in Norwegen große mediale Aufmerksamkeit erregt, wobei in dieser Woche nur wenige Medien zugelassen waren.
Die Aussagen der Frauen und die vorgelegten Beweise belasten den Angeklagten erheblich, während seine Verteidigung auf mangelndes Bewusstsein für fehlendes Einverständnis pocht. Das Gericht muss nun abwägen, ob Høibys Handlungen als kriminell einzustufen sind oder ob er tatsächlich von Zustimmung ausging.



