Chaos im Gericht: Prozess um straffreies Schwarzfahren eskaliert
Prozess um straffreies Schwarzfahren eskaliert

Der Prozess um das straffreie Bahnfahren in Greifswald wird immer chaotischer. Die Angeklagte Salome Krug, die ohne gültiges Ticket mit dem ICE durch halb Deutschland reiste, steht vor dem Amtsgericht Greifswald. Ihr Ziel: einen Freispruch zu erreichen, um das Fahren ohne Fahrschein von einer Straftat zur Ordnungswidrigkeit herabzustufen. Doch der Prozess entwickelt sich zunehmend zur Show.

Proteste vor Gericht

Bereits vor Prozessbeginn versammelten sich etwa ein Dutzend Unterstützer vor dem Gericht. Mit Trommeln und Verkleidungen machten sie lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam. Die Stimmung war aufgeheizt, als die Verhandlung begann.

Antragsflut und Sticheleien

Im Gerichtssaal eskalierte die Situation schnell. Die Angeklagte stellte unzählige Anträge, darunter einen Antrag auf Zulassung einer Wahlverteidigerin ohne juristische Ausbildung, der abgelehnt wurde. Auch ein Befangenheitsantrag gegen Richter Tränkmann wurde eingebracht. Der Richter sprach Krug mehrfach versehentlich als Mann an, was zu lautstarkem Protest führte. Krug drohte, ihn bei Wiederholung ebenfalls als Frau anzusprechen.

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Weitere Anträge

Ein „Nicht-Aufsteh-Antrag“ sollte die Verpflichtung aufheben, sich bei Betreten oder Verlassen des Saals durch den Richter zu erheben. Zudem beantragte Krug die Aussetzung des Verfahrens, bis das Landgericht über die Zulassung ihrer Wahlverteidigerin entschieden habe. Alle Anträge wurden abgelehnt.

Vertagung auf Mai

Richter Tränkmann vertagte die Verhandlung auf den 19. Mai, um weitere Zeugen – Zugschaffner – zu hören. Krug begrüßte die Verzögerung: „Wir wollen eine gesellschaftliche Debatte, und die wird in die Breite getragen, wenn wir möglichst vielseitig darauf aufmerksam machen.“

Politischer Hintergrund

Der Paragraf 265a StGB, der das Schwarzfahren als Straftat ahndet, ist umstritten. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sprach sich für seine Abschaffung aus. Aktuell drohen Schwarzfahrern Geldstrafen oder bis zu einem Jahr Haft. Krug will bis vor das Landgericht Stralsund ziehen, falls es zu einer Verurteilung kommt.

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