Im Kreml geht die Drohnenangst um. Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ist längst nicht mehr nur an der Front zu spüren, sondern auch im russischen Hinterland. Ukrainische Drohnen erreichen Ziele tausende Kilometer von der Grenzregion entfernt. Was lange undenkbar schien, ist zur neuen Realität geworden: Selbst Moskau gilt nicht mehr als sicher.
Doch genau hier will Russland am 9. Mai den Sieg über Nazi-Deutschland mit der Parade auf dem Roten Platz feiern. Aus Angst vor Drohnenangriffen dieses Jahr allerdings ohne Militärtechnik. Und mehr noch: In Moskau und St. Petersburg wurde das mobile Internet bereits bis zum 9. Mai eingeschränkt oder abgeschaltet – aus Sorge, dass ukrainische Drohnen über das Mobilfunknetz navigieren könnten.
Die Folgen sind schon jetzt im Alltag spürbar: gestörte Verbindungen, verzögerte SMS, Probleme für Taxis und bei Banking-Apps.
Drohnenangst im Machtapparat
Alexej Schurawljow (63), Vizechef des russischen Verteidigungsausschusses, nennt die Parade ein „gefährliches Ereignis“. Seine Sorge: Ukrainische Drohnenschwärme könnten den Ablauf stören. Die Drohnenangst im Machtapparat steckt aber noch tiefer: Laut einem europäischen Geheimdienstbericht fürchtet Wladimir Putin (73) ein Attentat oder sogar einen Putsch aus den eigenen Reihen. Drohnen gelten dabei als mögliches Tatmittel.
Ring aus Luftabwehr um Moskau
Als Reaktion baut Russland den Schutz Moskaus massiv aus. Im Internet kursiert eine Karte, die auf Satellitenbildern basiert und zeigen soll, dass rund um Moskau ein neuer Ring aus Luftabwehr entstanden ist. Allein 2025 sollen etwa 43 spezielle Türme errichtet worden sein, auf denen Flugabwehrsysteme stationiert sind.
Gleichzeitig kursieren in sozialen Medien Berichte, dass dafür in anderen Regionen Flugabwehr abgezogen wird. Die Konsequenz: Der Staat kann nicht mehr alles gleichzeitig schützen – und beginnt, die Sicherheit auf einen Punkt zu konzentrieren: Moskau.
Drohnenabwehr wird privatisiert
Mit einem neuen Gesetz greift der Kreml zudem direkt ins Waffenrecht ein. Putin unterzeichnete Ende März 2026 eine Änderung des russischen Waffengesetzes. Die Reform erlaubt erstmals, dass private Sicherheitsfirmen militärische Handfeuerwaffen erhalten – sie dürfen „Kampfgewehre mit Munition“ nutzen.
Ziel laut Gesetz ist der Schutz kritischer Infrastruktur, vor allem im Energiesektor mit Raffinerien und Öl-Anlagen. Als Begründung nennt das Gesetz ausdrücklich die Abwehr „unbemannter Luftfahrzeuge“. Damit reagiert Moskau auf die wachsende Drohnenbedrohung – und weicht eine zentrale Sicherheitsrichtlinie auf: den bewaffneten Schutz allein durch die Armee.



