Vor 35 Jahren: RAF ermordet Treuhand-Chef Karsten Rohwedder in Halle
RAF-Mord an Treuhand-Chef Rohwedder vor 35 Jahren

Vor 35 Jahren: RAF-Terroranschlag auf Treuhand-Chef Karsten Rohwedder

Im Frühjahr 1991, genau vor 35 Jahren, verübten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) einen tödlichen Anschlag auf den Chef der Treuhandanstalt, Karsten Rohwedder. Der erfahrene Manager wurde in seinem Haus in Halle ermordet und zum Opfer einer gezielten Hetzkampagne, die ihn für die wirtschaftlichen Missstände der ehemaligen DDR verantwortlich machen wollte.

Die tödlichen Schüsse aus dem Garten

Der Anschlag ereignete sich in der Abenddämmerung, als Rohwedder sich in seinem Arbeitszimmer im zweiten Stock befand. Von einem gegenüberliegenden Gartengrundstück aus feuerte ein Schütze des RAF-Terrorkommandos mehrere gezielte Schüsse ab, die den 58-jährigen Manager tödlich trafen. Die Tat geschah in einem ruhigen Wohnviertel von Halle und erschütterte die gesamte Bundesrepublik.

Vom erfolgreichen Manager zum politischen Ziel

Karsten Rohwedder war keineswegs ein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Wirtschaft. Vor seiner Tätigkeit bei der Treuhandanstalt hatte er als Vorstandsvorsitzender des Dortmunder Stahlkonzerns Hoesch beachtliche Erfolge erzielt. Unter seiner Führung wurde das traditionsreiche Unternehmen zwar schmerzhaft verschlankt – etwa die Hälfte der Belegschaft musste gehen – doch gleichzeitig transformierte er den Konzern von einem reinen Stahlproduzenten zu einem zukunftsfähigen Technologieunternehmen.

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Seine erfolgreiche Sanierung des Hoesch-Konzerns machte ihn jedoch auch zur Zielscheibe radikaler Kräfte, die in ihm ein Symbol für den vermeintlich rücksichtslosen Kapitalismus sahen. Die RAF instrumentalisierte in ihrer Propaganda Rohwedders Rolle bei der Privatisierung der DDR-Betriebe und stilisierten ihn zum "Buhmann" für alle wirtschaftlichen Probleme Ostdeutschlands.

Die perfide Hetzkampagne der RAF

In den Monaten vor dem Attentat hatte die RAF eine gezielte Diffamierungskampagne gegen Rohwedder geführt. In ihren Kommuniqués machten die Terroristen ihn persönlich für Arbeitslosigkeit, Werksschließungen und soziale Härten in den neuen Bundesländern verantwortlich. Dabei ignorierten sie bewusst, dass Rohwedder mit der Treuhandanstalt eine der schwierigsten Aufgaben der deutschen Wiedervereinigung übernommen hatte: die Umwandlung der maroden DDR-Planwirtschaft in marktwirtschaftliche Strukturen.

Die Terroristen blendeten vollständig aus, dass die wirtschaftlichen Probleme der DDR das Erbe von vier Jahrzehnten sozialistischer Misswirtschaft waren und nicht das Werk einzelner Manager. Rohwedder wurde zum Sündenbock für komplexe strukturelle Probleme, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hatten.

Ein Leben im Dienst der deutschen Wirtschaft

Karsten Rohwedders beruflicher Werdegang zeichnete das Bild eines pragmatischen und fähigen Managers. Nach seinem Jurastudium und Promotion stieg er bei Hoesch auf und bewies dort sowohl wirtschaftliches Geschick als auch persönlichen Mut bei unpopulären Entscheidungen. Seine Berufung zum Präsidenten der Treuhandanstalt im Jahr 1990 sah er als Dienst an der deutschen Einheit, nicht als Karrieresprung.

Freunde und Kollegen beschrieben ihn als integeren Charakter, der stets das Gemeinwohl im Blick hatte. Umso tragischer erscheint sein gewaltsamer Tod, der nicht nur einen Menschen, sondern auch einen wichtigen Akteur im Wiedervereinigungsprozess auslöschte.

Das politische Erbe des Attentats

Der Mord an Karsten Rohwedder markierte einen Höhepunkt der RAF-Terrorwelle in den frühen 1990er Jahren und zeigte die Brutalität einer Gruppe, die ihre politischen Ziele durch gezielte Morde an vermeintlichen "Repräsentanten des Systems" durchsetzen wollte. Das Attentat löste bundesweit Entsetzen aus und führte zu intensiven Debatten über den Umgang mit linksextremem Terrorismus.

Bis heute bleibt Rohwedders Ermordung eine der folgenschwersten politischen Morde der deutschen Nachkriegsgeschichte. Sie steht symbolisch für die gewaltsamen Konflikte, die den Transformationsprozess nach der Wiedervereinigung begleiteten, und erinnert daran, wie schnell rationale wirtschaftliche Debatten in ideologische Feindbilder und schließlich in tödliche Gewalt umschlagen können.

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