Internationale Fahndung nach Erpresser: Rattengift in Hipp-Babykost entdeckt
In einer besorgniserregenden Entwicklung sind in mehreren europäischen Ländern manipulierte Gläschen der Babynahrungsmarke Hipp mit Rattengift aufgetaucht. Die Polizei in Österreich, Tschechien und der Slowakei fahndet intensiv nach einem mutmaßlichen Erpresser, der das renommierte Familienunternehmen unter Druck setzen will. Deutschland ist nach aktuellen Erkenntnissen nicht direkt betroffen, doch auch hierzulande laufen Ermittlungen der Kriminalpolizei Ingolstadt.
Gefährliche Manipulationen in drei Ländern
Besonders alarmierend ist die Situation in Österreich, wo die Polizei mit Hochdruck nach einem zweiten vergifteten Glas sucht. Es handelt sich dabei um das Produkt „Karotten mit Kartoffeln“ im 190-Gramm-Format, das wie ein bereits am vergangenen Samstag entdecktes Exemplar im Burgenland südöstlich von Wien in Umlauf gebracht worden sein soll. Österreichische Behörden bestätigen, dass das in Pfaffenhofen an der Ilm gegründete Unternehmen Hipp Ziel von Erpressungsversuchen ist, was das bayerische Polizeipräsidium allerdings nicht offiziell bestätigen wollte.
Die österreichische Polizei hat Eltern von Kleinkindern eindringlich aufgefordert, ihre Vorräte an Hipp-Produkten zu überprüfen. Manipulierte Gläser lassen sich an mehreren Merkmalen erkennen: Der Deckel zeigt Beschädigungen, beim Öffnen ist der charakteristische Plopp-Laut nicht zu hören, und am Glasboden befindet sich ein weißer Aufkleber mit rotem Ring. Diese Kennzeichen sollten Verbraucher unbedingt beachten, um mögliche Gesundheitsrisiken auszuschließen.
Hipp bestätigt kriminellen Eingriff von außen
Clemens Preysing, Sprecher des Unternehmens Hipp, bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass neben Österreich auch in Tschechien und der Slowakei mit Rattengift verseuchte Gläschen aufgetaucht sind. „Es handelt sich um einen externen kriminellen Eingriff“, betonte Preysing und stellte klar, dass dieser Vorfall in keiner Verbindung zur Produktqualität oder Herstellungsprozessen des Unternehmens stehe. Als Vorsichtsmaßnahme haben die Handelspartner in Tschechien und der Slowakei alle Hipp-Gläschen aus dem Verkauf genommen.
Die Ermittlungen werden von der Kripo Ingolstadt geführt und koordiniert, die in engem Kontakt mit dem Unternehmen steht. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ingolstadt erklärte, dass aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Einzelheiten preisgegeben werden können. In Österreich konzentrieren sich die Suchaktionen auf zwei Bundesländer: das Burgenland und Oberösterreich.
Vorsichtige Einschätzung der Behörden
Helmut Marban, Sprecher der österreichischen Polizei, äußerte sich vorsichtig optimistisch: „Es spricht viel dafür, dass es nur dieses zweite Glas gibt“, sagte er der dpa. Diese Einschätzung basiere auf kriminaltaktischen Quellen. Gleichzeitig warnte er, dass weitere Manipulationen nie vollständig ausgeschlossen werden könnten. „Jedes weitere Detail, das man nennt, könnte die Ermittlungen gefährden“, so Marban, der die Bedeutung betonte, das gefährliche Glas schnellstmöglich aus dem Verkehr zu ziehen.
Die ersten Hinweise auf die manipulierten Gläschen kamen nach seinen Angaben aus Deutschland. In Tschechien hat die Staatsanwaltschaft Brünn Ermittlungen aufgenommen, wobei die tschechische Polizei die Gefahrensituation im Land als „nicht sehr hoch“ einschätzt.
Konkreter Fall und gesundheitliche Risiken
Der konkrete Fall nahm seinen Anfang, als Hipp in Österreich am späten Freitag alle Produkte aus den Spar-Supermärkten zurückrief und vor den lebensgefährlichen Folgen des Verzehrs warnte. Bereits am Nachmittag desselben Tages lieferte ein Kunde ein verdächtiges, unbenutztes Gläschen in der Ortschaft Schützen am Gebirge im Bezirk Eisenstadt-Umgebung ab. Laboranalysen bestätigten später den Nachweis von Rattengift in diesem Produkt.
Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) bestätigte den Erpressungsversuch und wies auf die ernsten gesundheitlichen Risiken hin. Wirkstoffe in Rattengiften können die Gerinnungsfähigkeit des Blutes erheblich beeinträchtigen. Mögliche Symptome bei betroffenen Kindern umfassen:
- Zahnfleischbluten
- Nasenbluten
- Blaue Flecken
- Blut im Stuhl
Eltern, deren Kinder Hipp-Nahrung konsumiert haben und solche Symptome zeigen, sollten umgehend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
Das Unternehmen Hipp blickt auf eine mehr als 120-jährige Geschichte zurück, die in Pfaffenhofen ihren Ursprung nahm. Heute hat die Hipp Holding AG ihren Sitz in Sachseln im Schweizer Kanton Obwalden. Der aktuelle Vorfall stellt einen schwerwiegenden Angriff auf das Vertrauen in ein traditionsreiches Familienunternehmen dar und unterstreicht die Bedeutung strenger Sicherheitsvorkehrungen im Lebensmittelbereich.



