Razzia bei Lehrerin: Seit 16 Jahren krankgeschrieben - Ermittlungen wegen Betrugsverdacht
Razzia bei Lehrerin: 16 Jahre krankgeschrieben - Betrugsverdacht

Razzia bei Lehrerin: Seit 16 Jahren krankgeschrieben - Ermittlungen wegen Betrugsverdacht

Ein außergewöhnlicher Fall von mutmaßlichem Sozialbetrug beschäftigt derzeit die Justiz in Nordrhein-Westfalen. Gegen eine 62-jährige Studienrätin aus Duisburg wird wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt. Die Pädagogin soll seit mehr als 16 Jahren krankgeschrieben sein, während sie kontinuierlich ihr volles Gehalt bezog.

Polizeiliche Durchsuchung nach jahrelangen Vorermittlungen

Am 24. März 2026 erreichte der Fall einen neuen Höhepunkt, als Polizei und Staatsanwaltschaft mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Wohnung der Lehrerin standen. Da die 62-Jährige nicht anwesend war, wurde die Tür durch einen Schlüsseldienst geöffnet. Die Ermittler sicherten zahlreiche Unterlagen und elektronische Datenträger.

Staatsanwalt Felix Bachmann erklärte dazu: „Im Rahmen von Vorermittlungen wurden Unterlagen von der Bezirksregierung Düsseldorf angefordert, insbesondere das dort eingeholte amtsärztliche Gutachten vom 25. November 2025.“ Nach Auswertung dieser Dokumente im Februar 2026 erhärtete sich der Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs erheblich.

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Verdacht auf systematische Täuschung des Dienstherrn

Der konkrete Vorwurf lautet, dass sich die Lehrerin gegenüber ihrem Dienstherrn als dienstunfähig erklärt habe, obwohl sie es nach Ansicht der Ermittler nicht war. Damit soll sie das Land Nordrhein-Westfalen bewusst getäuscht haben. Der Betrugsvorwurf bezieht sich laut Staatsanwaltschaft auf die Jahre 2021 bis 2025.

„Der Beschuldigten wird vorgeworfen, über einen strafrechtlich relevanten Zeitraum von vier Jahren zu Unrecht Dienstbezüge erhalten zu haben“, so die offizielle Stellungnahme. Der entstandene Schaden wird auf etwa 240.000 Euro beziffert.

Parallele Tätigkeit als Heilpraktikerin trotz Krankmeldung

Besonders pikant: Während ihrer angeblich andauernden Arbeitsunfähigkeit soll die Lehrerin parallel als Heilpraktikerin gearbeitet haben. Zudem entwickelte sie gemeinsam mit ihrer Partnerin im Jahr 2011 eine spezielle Handcreme gegen trockene Haut.

Mit diesem Produkt bewarben sich die beiden Frauen beim Wettbewerb „Benchmark Award.Med NRW“ und belegten den dritten Platz, was mit einem Preisgeld von 5.000 Euro honoriert wurde. Diese Aktivitäten stehen in deutlichem Kontrast zu ihrer offiziellen Krankschreibung wegen eines psychischen Leidens.

Beruflicher Hintergrund und disziplinarische Konsequenzen

Die Lehrerin war zwischen 2003 und 2009 am Berufskolleg Wesel tätig. Nach Angaben aus ihrem Umfeld kannten weder Schüler noch Kollegen ihren Namen, da sie nach ihrer Einstellung praktisch nie im Unterricht erschien. Laut Besoldungstabelle bezog sie trotz ihrer Krankschreibung monatlich zwischen 5.051 und 6.174 Euro.

Gegen die Studienrätin und den zuständigen Sachbearbeiter bei der Bezirksregierung wurden bereits Disziplinarverfahren eingeleitet, die noch andauern. NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) betonte jedoch, dass es sich bei diesem Fall gemessen an den rund 180.000 verbeamteten Lehrkräften in Nordrhein-Westfalen um eine absolute Ausnahme handele.

Reguläre Verfahren bei Langzeiterkrankungen

Normalerweise müssen Landesbeamte, die langfristig fehlen, sich einem Amtsarzt vorstellen. Dieser stellt fest, ob tatsächlich Dienstunfähigkeit vorliegt. Mögliche Konsequenzen können sein:

  • Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand mit reduzierten Versorgungsbezügen
  • Feststellung einer Teildienstunfähigkeit mit geringerer Bezahlung und gekürzter Pension
  • Verwendung in einer anderen Dienststelle des Öffentlichen Dienstes

Der Fall hatte bereits im vergangenen Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und führte nun zu den aktuellen strafrechtlichen Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, dessen Ausgang noch offen ist.

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