Europäische Ermittler zerschlagen internationales Schleusernetzwerk
Europäische Polizeibehörden haben in einer koordinierten Aktion ein weitverzweigtes Schleusernetzwerk hochgenommen, das über Jahre hinweg vietnamesische Staatsangehörige illegal in die Europäische Union und weiter nach Großbritannien gebracht hat. Wie die EU-Polizeibehörde Europol mitteilte, erfolgten am 29. und 30. März insgesamt acht Festnahmen in Frankreich, Deutschland und Ungarn.
Komplexe Route von Vietnam nach Großbritannien
Das kriminelle Netzwerk organisierte die gesamte Reise für Migranten, die aus Vietnam nach Großbritannien gelangen wollten. Die Route führte zunächst mit von Ungarn ausgestellten Kurzzeitvisa oder Aufenthaltsgenehmigungen in den EU-Raum der Freizügigkeit. Anschließend wurden die Personen nach Frankreich geflogen und in Unterkünften rund um Paris untergebracht.
Von dort aus transportierte das Netzwerk die Migranten an die Küste Nordfrankreichs, wo sie in kleinen Schlauchbooten die gefährliche Überfahrt über den Ärmelkanal antraten. Diese letzte Etappe wurde von einem kurdisch-irakischen Schleusernetzwerk organisiert, mit dem die vietnamesischen Schleuser kooperierten.
Lukratives Geschäft mit bis zu drei Millionen Euro Umsatz
Den Ermittlungen zufolge berechnete das Netzwerk den Migranten bis zu 22.000 Euro pro Person für die gesamte Reise. Europol schätzt, dass das kriminelle Syndikat in den vergangenen Jahren bis zu drei Millionen Euro an Einnahmen erzielt hat. Die Netzwerke transportierten gemeinsam mindestens 15 Migranten pro Monat über die beschriebene Route.
Unter den Festgenommenen befinden sich laut Europol der mutmaßliche Anführer des Netzwerks sowie ein als »hochrangig« eingestufter Organisator. Eine Person wurde in Deutschland festgenommen, weitere in Frankreich und Ungarn.
Digitalisierung erleichtert kriminelle Aktivitäten
Europol wies darauf hin, dass die Digitalisierung jede Phase der kriminellen Aktivitäten verbessert habe. »Dadurch können diese Netzwerke schneller, effizienter und widerstandsfähiger agieren«, so die Behörde. Gleichzeitig bleibe es für Strafverfolgungs- und Justizbehörden weiterhin schwierig, sie aufzuspüren und zu zerschlagen.
Soziale Medien und andere Onlinedienste ermöglichen es Schleusernetzwerken relativ einfach, für ihre Dienste zu werben und ihre Gewinne zu verbergen. Tausende Migranten überqueren jedes Jahr den Ärmelkanal – im vergangenen Jahr waren es laut dem Migration Observatory der Universität Oxford etwa 41.500 Menschen.
Gefährliche Überfahrten mit tödlichen Risiken
Die Überfahrten über den Ärmelkanal sind extrem riskant. Zuletzt starben mindestens vier Menschen, als ein kleines Boot mit Migranten auf dem Weg nach Großbritannien im Ärmelkanal sank. Die europäischen Behörden betonen die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit, um solche kriminellen Netzwerke zu bekämpfen und Menschen vor lebensgefährlichen Situationen zu schützen.
Die Ermittlungen zu dem zerschlagenen Netzwerk laufen weiter, während die festgenommenen Verdächtigen den jeweiligen nationalen Justizbehörden überstellt werden.



