Urteil im Missbrauchsprozess gegen Bremer Tanztrainer steht bevor
Am Landgericht Bremen wird heute Nachmittag das Urteil gegen einen 35-jährigen Tanztrainer erwartet, dem schwerer sexueller Missbrauch an vier minderjährigen Jungen vorgeworfen wird. Der Mann sitzt seit Dezember 2025 auf der Anklagebank und muss sich für insgesamt 39 mutmaßliche Taten verantworten, die zwischen 2009 und 2022 in einer Bremerhavener Tanzschule begangen worden sein sollen.
TikTok-Star brachte den Fall ins Rollen
Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Prozess, weil eines der mutmaßlichen Opfer der bekannte Profitänzer und TikTok-Star Avemoves ist, der ursprünglich aus Bremerhaven stammt. In einem emotionalen YouTube-Video vom April 2025 berichtete der Influencer erstmals öffentlich vom jahrelangen Missbrauch durch seinen deutschen Tanzlehrer.
Avemoves schilderte, dass die Taten begannen, als er gerade einmal zehn Jahre alt war. Über einen langen Zeitraum habe er sich den Missbrauch nicht eingestehen wollen und mit schweren Ängsten sowie Depressionen gekämpft. Erst als er erfuhr, dass er möglicherweise nicht das einzige Opfer gewesen sei, fasste er den Entschluss zur Anzeige.
Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Bereits kurz nach Prozessbeginn wurde die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal verbannt. Sämtliche Verhandlungstage fanden unter Ausschluss des Publikums statt, auch die heutigen Plädoyers am Vormittag wurden hinter verschlossenen Türen gehalten.
Ein Gerichtssprecher erklärte, dass sowohl die Verteidigung als auch die mutmaßlichen Opfer einen entsprechenden Antrag gestellt hatten. Das Gericht folgte diesem Antrag, weil die mutmaßlichen Opfer zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen seien und ihre Interessen daher besonders schutzwürdig seien.
Besonderer Schutz für Angeklagten
Zudem sei der Angeklagte bei einem Teil der mutmaßlichen Taten selbst noch Heranwachsender gewesen. Einige der angeklagten Fälle soll er im Alter zwischen 18 und 21 Jahren begangen haben. Dadurch gelte auch für ihn ein besonderer Schutz, wie die Richterin in ihrer Begründung darlegte.
Die Urteilsbegründung wird heute ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen. Lediglich für die Verkündung des Strafmaßes ist Publikum zugelassen, wie der Gerichtssprecher mitteilte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Tanztrainer vor, seine Position als Vertrauensperson in der Tanzschule systematisch ausgenutzt zu haben.



