Ricarda Lang über Deepfake-Pornos: "Ein digitaler Angriff auf die eigene Identität"
Der Fall des Politikers Fernandes hat die ehemalige Grünenchefin Ricarda Lang tief aufgewühlt. In einem exklusiven Interview mit den Journalisten Ann-Katrin Müller und Jonas Schaible spricht die prominente Politikerin offen über die zunehmende Bedrohung durch digitalisierte sexualisierte Gewalt. Lang beschreibt dabei eindringlich, wie Deepfake-Pornos nicht nur eine neue Form der Belästigung darstellen, sondern sich zu einem perfiden Geschäftsmodell entwickelt haben.
"Der eigene Körper wird instrumentalisiert"
"Ein Deepfake-Porno fühlt sich schlimmer an als jede Beleidigung", erklärt Lang mit deutlicher Betonung. Die Grünenpolitikerin betont, dass es sich hierbei um einen fundamentalen Angriff auf die persönliche Integrität handle. Der eigene Körper werde dabei auf perfide Weise instrumentalisiert, ohne dass die betroffene Person irgendeine Kontrolle über die Verwendung ihres digitalen Abbilds habe.
Lang teilt in dem Gespräch auch eigene Erfahrungen mit manipulierten Inhalten. Sie beschreibt den psychologischen Effekt als besonders verletzend, da die Grenze zwischen realer und digitaler Identität bewusst verwischt werde. "Es ist eine Form von Gewalt, die rund um die Uhr stattfinden kann", so die Politikerin. Die digitalen Angriffe ließen sich nicht einfach abschütteln, sondern verfolgten die Betroffenen durch das gesamte Internet.
Digitale Gewalt als profitables Geschäftsfeld
Besonders alarmierend findet Lang die kommerzielle Dimension des Phänomens. Immer häufiger würden Deepfake-Pornos nicht nur aus persönlichen Motiven erstellt, sondern als systematisches Geschäftsmodell betrieben. Die Nachfrage nach solchen Inhalten schaffe einen lukrativen Markt, der wiederum die Produktion weiter anheize.
Die ehemalige Parteivorsitzende kritisiert dabei die mangelnde Regulierung und die technischen Möglichkeiten, die diese Entwicklung begünstigten. Sie fordert deutlich schärfere gesetzliche Rahmenbedingungen und eine konsequentere Verfolgung der Täter. Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit gesellschaftlicher Aufklärung über die gravierenden Folgen digitaler Gewalt.
"Nutzlose Forderungen an Männer"
Ein besonderes Augenmerk legt Lang auf die geschlechtsspezifische Dimension des Problems. Sie äußert sich kritisch zu bestimmten Diskussionsmustern, die ihrer Meinung nach nicht zielführend seien. "Es gibt nutzlose Forderungen an Männer, die das eigentliche Problem nicht lösen", erklärt die Politikerin. Statt symbolischer Appelle brauche es konkrete Maßnahmen und ein grundlegendes Umdenken im Umgang mit digitaler sexualisierter Gewalt.
Lang plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte vereint. Nur durch eine Kombination aus besseren Gesetzen, effektiver Strafverfolgung und einer veränderten Medienkompetenz könne der wachsenden Bedrohung durch Deepfake-Pornos wirksam begegnet werden. Das Interview macht deutlich, dass digitale Gewalt längst zu einer ernstzunehmenden gesellschaftlichen Herausforderung geworden ist.



