Heilige Gräber in München: Eine seltene Tradition erlebt zu Ostern ein Comeback
Heilige Gräber in München: Seltene Tradition erlebt Comeback

Heilige Gräber in München: Eine seltene Tradition erlebt zu Ostern ein Comeback

Über die Ostertage werden in zahlreichen Münchner Kirchen wieder die sogenannten Heiligen Gräber aufgebaut. Diese besonderen sakralen Installationen, auch als Kenotaphe oder Scheingräber bekannt, sind Nachbildungen des Grabes Christi und dienen vor allem dem Gebet und dem stillen Gedenken. Hans Rohrmann, Fachdezernent für Kirchenkunst und Denkmalpflege im Erzbistum München Freising, erklärt im Gespräch, dass das Interesse an dieser einzigartigen Tradition in den letzten Jahren spürbar zugenommen habe. „Das Interesse ist wieder stärker geworden“, so der Experte. „Es ist ein österliches Event, das man gerne mitnimmt.“

Eine Tradition mit langer Geschichte

Die Tradition der Heiligen Gräber lässt sich bis in die Spätantike zurückverfolgen. In ihrer heutigen Form als kunstvolle Kulissengräber existieren sie jedoch erst seit der Barockzeit. In München sind derzeit etwa 30 solcher Heiligen Gräber verteilt über die gesamte Stadt zu finden – von St. Michael in Lochhausen bis St. Peter und Paul in Trudering und von Heilig Kreuz in Fröttmaning bis St. Bernhard in Perlach. Die Entscheidung, ein Heiliges Grab aufzustellen, liegt dabei stets bei den jeweiligen Gemeinden und hängt oft von der Verfügbarkeit ehrenamtlicher Helfer ab. „So etwas aufzustellen ist oft verbunden mit einem gehörigen Aufwand“, erläutert Rohrmann. Nur bei besonders großen Projekten, wie im vergangenen Jahr in Wasserburg, unterstütze das Ordinariat des Erzbistums.

Vom barocken Prunk bis zur modernen Schlichtheit

Die Gestaltung der Heiligen Gräber variiert stark und reicht von opulenten barocken Inszenierungen bis hin zu puristischen modernen Interpretationen. Ein typisches Schmuckelement, das aus der Barockzeit stammt, sind mit buntem Wasser gefüllte Glaskugeln, sogenannte Schusterkugeln. „Früher stellte man Kerzen dahinter und hat so etwas Mystisches erzeugt“, erklärt Hans Rohrmann. „Es war etwas Außergewöhnliches, was da mit farbigem Licht in einem sonst weitgehend verdunkelten Kirchenraum kreiert wurde.“ Heute werde zwar versucht, die offenen Kerzen aus Sicherheitsgründen zu ersetzen, doch die grundlegende Intention, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, bleibe erhalten.

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Die Figuren und Elemente für die Heiligen Gräber stammen stets aus dem Fundus der jeweiligen Kirchengemeinden. Ein zentrales Magazin des Erzbistums für diese sakralen Objekte existiert nicht. In manche Heiligen Gräber wird das Allerheiligste, also Christus in Gestalt der konsekrierten Hostie, eingebracht, in andere ein Kruzifix oder eine Figur des Leichnams Jesu. Einige Gemeinden gestalten zudem spezielle Andachten oder Gebetsstunden vor dem Heiligen Grab und stellen sogar das Begräbnis Jesu am Karfreitag und seine Auferstehung am Ostersonntag szenisch dar.

Besondere Highlights und seltene Zugänge

Hans Rohrmann hebt zwei besonders gegensätzliche Heilige Gräber in München hervor: Das moderne Heilige Grab in St. Andreas in der Isarvorstadt, das sich seit der Renovierung der Kirche im Jahr 2015 durch eine puristische und schlichte Ästhetik auszeichnet, und das altehrwürdige Heilige Grab in der Asamkirche in der Sendlinger Straße. Letzteres befindet sich in der Gruft unter der Kirche, in der auch Mitglieder der Asam-Familie ruhen. „Das ist schon was Besonderes, wenn man da runtergeht“, schwärmt Rohrmann. „Und es ist auch eine seltene Gelegenheit, da kommt man sonst nicht hin, außer mit speziellen Führungen.“

Die meisten Heiligen Gräber sind nur für wenige Tage rund um Ostern zugänglich. Einige Ausnahmen gibt es jedoch: Im Münchner Liebfrauendom ist das Heilige Grab nach dem Karfreitag und Karsamstag, an denen eine Figur des Leichnams Jesu zu sehen ist, von Ostersonntag bis zum Sonntag nach Ostern als leeres Ostergrab gestaltet. Auch in der Kirche Mariahilf in der Au ist das Heilige Grab vom Samstag vor Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag zu besichtigen. In St. Bonifaz in der Maxvorstadt oder St. Andreas in der Isarvorstadt wird die Installation bereits am Gründonnerstag aufgestellt und bleibt bis Ostersonntag stehen.

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Für alle, die diese besondere Tradition live erleben möchten, bietet das Erzbistum München Freising eine interaktive Karte online an, die einen Überblick über die Standorte der Heiligen Gräber in der Stadt ermöglicht. Ein Besuch lohnt sich, um ein Stück lebendige Kirchengeschichte und österliche Spiritualität in München zu erfahren.