Abschied nach fast fünf Jahrzehnten: Letzter Gottesdienst in Schweriner Kirche
Ein bedeutendes Kapitel der katholischen Gemeindegeschichte in Schwerin-Lankow geht zu Ende. Nach fast 50 Jahren wird am Ostermontag, dem 6. April, in der Kirche St. Martin der letzte Gottesdienst gefeiert. Das Erzbistum Hamburg gibt den Standort in Schwerin-Lankow auf, was das Ende einer Ära für die Gemeinde bedeutet.
Historische Weihe und nun profane Zukunft
Die Kirche St. Martin wurde am 11. Juni 1978 von Bischof Heinrich Theissing dem Heiligen Martin geweiht. Ursprünglich von den DDR-Behörden nur als „Versammlungsraum“ für den bischöflichen Verwaltungssitz genehmigt, entwickelte sich an der Lankower Straße jedoch schnell eine lebendige Kirchengemeinde. Ihre Blütezeit erlebte die Gemeinde in den 1980er-Jahren, als das großzügige Gelände für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wurde.
Fronleichnamsgottesdienste mit feierlichen Prozessionen, Wallfahrten, Sommerfeste und Grillpartys für Schulklassen oder Ehrenamtliche fanden hier statt. Mit der Gründung des Erzbistums Hamburg im Jahr 1995 wurden die Grenzen der katholischen Bistümer im Norden Deutschlands neu geordnet. Die bischöfliche Verwaltung in Mecklenburg, die nun zum neuen Erzbistum gehörte, war vor allem für die Region zuständig.
Entwidmung und Umbau zur Schulanlage
In den kommenden Wochen wird die Kirche St. Martin profaniert, also entwidmet. Kirchliche und liturgische Gegenstände werden ausgeräumt, wie Vize-Bistumssprecher Martin Innemann ankündigt. Die Kirche war Teil des ehemaligen Verwaltungssitzes des Erzbischöflichen Amtes Schwerin, den das Hamburger Erzbistum Anfang des Jahres im Zuge einer Vermögens- und Immobilienreform geschlossen hat.
Die Zukunft des Geländes ist bereits besiegelt: Die Privatschule Ecolea wird die Gebäude und das Grundstück für ihre Grundschule nutzen. Nach Angaben von Sven Thomas Olsen, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Ecolea, übernimmt die Schule das Grundstück auf Basis von Erbbaurecht und hat die Gebäude gekauft.
In den Umbau der Häuser investiert die Ecolea zusätzlich 500.000 Euro. Im Verwaltungstrakt entstehen neue Klassenzimmer und weitere Räume, während die heutige Kirche als Aula und Mensa hergerichtet wird. Damit erhält das historische Gebäude eine neue, profane Bestimmung.
Feierlicher Abschied und gemeinsames Beisammensein
Der letzte Gottesdienst in St. Martin beginnt am Ostermontag um 9.30 Uhr. Es handelt sich um einen feierlichen Abschiedsgottesdienst, der den langjährigen Gemeindemitgliedern die Möglichkeit gibt, sich von ihrem Gotteshaus zu verabschieden. Im Anschluss sind alle Teilnehmer zum traditionellen Kirchenkaffee und einem gemeinsamen Beisammensein eingeladen.
Dieser Abschied markiert nicht nur das Ende einer kirchlichen Nutzung, sondern auch den Wandel eines Ortes, der über Jahrzehnte hinweg spiritueller und sozialer Mittelpunkt für viele Menschen in Schwerin-Lankow war. Die Umwandlung in einen Schulstandort sichert jedoch die weitere Nutzung des Geländes und bewahrt es vor dem Verfall.



