Wort zum Sonntag: Warum wir dieses Ostern auch Dietrich Bonhoeffer gedenken
Zu jeder Zeit brauchen Menschen Hoffnung und Zuversicht. Um ihnen Halt und Orientierung zu geben, melden sich an dieser Stelle Pastoren und kirchliche Mitarbeiter der Region zu Wort. Heute spricht Timo Haunschild, Gemeindepädagoge in der Kirchengemeinde Dargun-Neukalen.
Osterfest und ein besonderes Gedenken
Am 5. April feiern wir in diesem Jahr das Osterfest. „Christ ist erstanden, von der Marter alle“ (Evang. Gesangbuch, Lied 99), singen wir als Bekenntnislied an diesem Tag. Es gilt als das älteste überlieferte Osterlied in deutscher Sprache. Etwa seit dem Jahr 1100 wird es trotzig gesungen gegen Leid, Elend, Gewalt und Tod. Auch Dietrich Bonhoeffer, der Berliner Pastor und Theologe, kannte sicher dieses Lied. Er war Mitglied der deutschen Theologen, die sich nicht dem Naziregime unterordneten.
Bonhoeffers letzter Weg und seine Botschaft
Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet. Das jährt sich am heutigen Tag. Bis zu seiner Hinrichtung am 9. April 1945 blieb er in Haft. Bonhoeffer wurde nur 39 Jahre alt und starb neun Tage nach dem Ostersonntag 1945. Osterlieder begleiteten seinen letzten Weg. Insofern feiern wir heute am 5. April das Osterfest auch mit einem Gedenken an Dietrich Bonhoeffer. Einem Freund ließ er in seinen letzten Tagen eine Nachricht zukommen, in der die Worte „dies ist für mich das Ende, aber auch der Anfang“ stehen. Für Bonhoeffer schien das alte Bekenntnislied eine Wirklichkeit zu besitzen. Die Texte, die er uns hinterlassen hat, wirken sehr krisenerprobt. Deshalb können sie vielleicht auch uns in diesen unklaren und unsicheren Zeiten einen seelischen Halt vermitteln.
Ein Glaubensbekenntnis aus der Haft
Besonders beachtenswert finde ich einen Text, der als Glaubensbekenntnis in seiner Haftzeit entstanden ist: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“
Die Nähe Gottes in schwierigen Zeiten
Dietrich Bonhoeffer weist uns mit seinen Worten darauf hin, dass Jesus ein lebendiges Gegenüber ist. Selbst in Einzelhaftbedingungen ist der Mensch nicht allein, weil Gottes Stimme in seiner Seele hörbar ist. Christ ist erstanden und in Beziehung mit ihm werden wir es auch. Diese Erkenntnis durchzieht die Haftzeit von Dietrich Bonhoeffer und damit macht er uns Mut, die Nähe Gottes immer zu suchen, denn auch in schwierigen Zeiten ist uns Gott nicht fern.
Ich wünsche Ihnen und uns, dass wir trotz aller Umstände, die unsere Welt gerade durchschütteln, aus freiem Herzen den alten Oster-Hymnus mitsingen können. Christ ist erstanden!
Ihr Timo Haunschild aus Dargun-Levin



