Vom Dunkel ins Licht: Pastorin Helga Warnke über die tiefe Bedeutung von Karfreitag und Ostern
Vom Dunkel ins Licht: Gedanken zu Karfreitag und Ostern

Vom Dunkel ins Licht: Spirituelle Gedanken zu den höchsten christlichen Feiertagen

Für die christliche Gemeinschaft weltweit stellen Karfreitag und Ostersonntag die zentralen und bedeutendsten Feiertage im gesamten Kirchenjahr dar. Pastorin Helga Warnke aus der Gemeinde Löcknitz im Landkreis Vorpommern-Greifswald hat im traditionellen Wort zum Sonntag ihre tiefgründigen und bewegenden Gedanken zu dieser besonderen Zeit des Kirchenjahres niedergeschrieben und geteilt.

Die Farben der Tage und die Leere des Karsamstags

Manche Tage besitzen ganz bestimmte Farben in unserer Wahrnehmung – die tristen grauen Wintertage, an denen die Wolkenformationen über unserer Region dennoch faszinierende Muster bilden; die sonnengelben, warmen Sommertage, an denen das Licht sanft auf den weiten Feldern ruht; der Herbst in seinen charakteristischen Brauntönen und Rostrotnuancen. Frühlingstage sind für mich persönlich ein lebendiges Grün und ein kräftiges Rot, verkörpert durch die frischen Buchenblätter und die leuchtend roten Tulpen, aber auch ein tiefes Blau, wie die Blausterne, die auf der Wiese ganze blaue Inseln formen.

Der Karsamstag jedoch trägt für mich eine ganz eigene, fahle Graubraunfärbung. Er stellt einen Tag des Übergangs, einen Tag zwischen den absoluten Höhepunkten der Christenheit, dem Karfreitag und dem Ostersonntag, dar. Am Karfreitag wird in unserer Kirche der Altar bewusst und symbolträchtig abgeräumt – keine Blumen, keine Kerzen, keine festliche Tischdecke, nur die blanke, dunkle Holzplatte bleibt zurück. Diese Handlung wirft existenzielle Fragen auf: Was bleibt in meinem eigenen Leben übrig, wenn die Schönheit, die Lebensenergie, die Helligkeit weichen? Wenn die Farbe Schwarz plötzlich vorherrscht... Woran kann ich mich noch festhalten, wenn alles ringsum nicht mehr zu halten scheint?

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Die Dunkelheit der Kreuzigung und der Funke der Hoffnung

In unserer Kirche hängt eine eindrucksvolle Figur des gekreuzigten Jesus Christus. Sie zeigt ihn verlassen und verraten von seinen engsten Freunden, gegeißelt und geschlagen, verspottet, mit der Last unserer menschlichen Schuld beladen, einsam in der dunkelsten Stunde des Todes. Von seinen trauernden Freunden begraben, folgt der Karsamstag – ein Tag des dazwischen, des Wartens, der Stille. Doch dann beginnen in der Nacht die Osterfeuer zu brennen. Zeigt sich hier vielleicht doch noch ein Funke der Hoffnung?

Mitten in der tiefsten Nacht, von niemandem bemerkt oder erwartet, lässt Gott das absolut Unvorstellbare geschehen. Die Naturgesetze werden außer Kraft gesetzt, Jesus Christus wird wieder lebendig! Gott möchte uns Menschen damit von Schuld und Tod endgültig freimachen. Es ist nicht nur ein kleiner, unsicherer Hoffnungsschimmer, nicht nur ein winziges Licht irgendwo in weiter Ferne, sondern ein heller, kraftvoller Schein geht von Ostern aus – voller Hoffnung, voller göttlicher Versprechen, ein warmes und tröstendes Leuchten. Das Leben gewinnt endgültig, nicht der Tod. Der Hass ist überwunden, die Liebe hat den endgültigen Sieg errungen!

Die Gegenwart Gottes in einer komplexen Welt

Dieses transformative Ereignis bezeugen Christinnen und Christen seit nunmehr Jahrtausenden – und manchmal fragt man sich in der heutigen Zeit: Wo zeigt sich diese Gegenwart denn konkret? Sicherlich nicht in unseren täglichen Nachrichten, die oft von Konflikt berichten, aber überall dort, wo Menschen sich vertrauensvoll Gott anvertrauen, wo aktiv Frieden gesucht und gestiftet wird, wo ein verzagtes Herz neue Hoffnung und Kraft schöpft. Aber auch dort, wo Menschen Finsteres planen und Böses tun, ist Gott gegenwärtig, darunter leidend, dass seine guten und friedvollen Pläne für diese Welt noch nicht vollständig umgesetzt werden.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Dieser uralte und doch ewig neue Osterruf zeigt unserer heutigen Welt einen gangbaren Weg auf, der aus menschlicher Not und erdrückender Schuld herausführt – hinein in Gottes helles und erlösendes Licht, das bis in die Ewigkeit leuchtet!

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