ZDF-Dokumentation beleuchtet erstes Amtsjahr von Papst Leo XIV.
Seit knapp einem Jahr lenkt Papst Leo XIV. die Geschicke der katholischen Kirche. Eine ZDF-Dokumentation, die am Ostersonntag ausgestrahlt wird, stellt die zentrale Frage: Ist der Pontifex ein Reformer oder ein Bewahrer? Mischt er sich aktiv in die Weltpolitik ein oder beschränkt er sich auf allgemeine Appelle? Der Film mit dem Titel „Leo XIV. - Ein Papst sucht seinen Kurs“ sucht nach Antworten auf diese drängenden Fragen.
Der Alltag des Bischofs von Rom
Die Dokumentation beginnt mit einem Einblick in den Alltag des Bischofs von Rom. Bei einem Gemeindebesuch in einer modernen Kirche, fernab alter Gemäuer, wird Papst Leo XIV. von begeisterten Gläubigen mit gezückten Smartphones empfangen. Der Papst spricht über die Jugend, die sich ein Zuhause und einen Ort der Gemeinschaft wünscht, und schüttelt zahlreiche Hände. Als weltweit bekanntes Oberhaupt der katholischen Kirche wird jedes seiner Worte und jede Geste sowohl in kircheninternen Angelegenheiten als auch in Fragen der Weltpolitik intensiv interpretiert.
Der Vorgänger als Ankerpunkt
Am 8. Mai vor knapp einem Jahr wählten die Kardinäle im Konklave Robert Francis Prevost, einen Augustinerpater mit peruanischer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft, zum Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus. Der Vorgänger spielt in der Dokumentation eine zentrale Rolle als Ankerpunkt. ZDF-Kirchenkenner und Autor Jürgen Erbacher stellt die Frage: Was macht Leo anders als der als impulsiv geltende Franziskus, der die römische Kurie harsch kritisierte? Wo sind Parallelen erkennbar?
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, der als Kardinal am Konklave teilnahm, äußert sich dazu: „Ich glaube nicht, dass es eine Mehrheit der Kardinäle gegeben habe, die sich von Franziskus distanzieren wollte.“ Es habe jedoch die Erwartung bestanden, keine Kopie zu wählen, da dies zu einer Karikatur geführt hätte. Daher ergebe sich nun „ein Papst, der ruhiger an die Sache herangeht“.
Die Suche nach einer programmatischen Linie
Pater Franz Klein, ein früherer enger Mitarbeiter Prevosts, berichtet, dass der Papst sich genau überlege, was er sagt. Helena Jeppesen-Spuhler, Teilnehmerin der Weltsynode, stellt fest: „Ich sehe noch keine programmatische Linie.“ Die Dokumentation zeigt klar die Pole auf, zwischen denen sich der Papst bewegt: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die Reformen in der Kirche wünschen, insbesondere hinsichtlich der Rolle der Frauen und der Ehelosigkeit von Priestern. Auf der anderen Seite stehen die Traditionalisten, die bestenfalls alles so belassen wollen, wie es ist, oder sogar zu Zeiten zurückkehren möchten, als Priester Messen mit dem Rücken zu den Gläubigen feierten.
Politische und gesellschaftliche Fragen
In den großen politischen und gesellschaftlichen Fragen wie der Bekämpfung der Armut und dem Schutz des Klimas steht Leo seinem Vorgänger sehr nahe. Seine Friedensappelle sind deutlich. Doch eignet er sich deshalb wirklich zum „Anti-Trump“? Die Dokumentation mit dem Titel „Ein Papst sucht seinen Kurs“ begleitet diese Suche mit eindrucksvollen Bildern und Gesprächen mit Experten.
Analyse eines Theologie-Professors
Eine besonders treffende Analyse liefert Theologie-Professor Benjamin Dahlke. Er erklärt, dass das Fehlen einer klaren letzten Positionierung dem Papst die Möglichkeit gebe, mit allen Lagern reden zu können. Er müsse ein Brückenbauer sein. „Das hat natürlich einen gewissen Preis“, so Dahlke. Die Dokumentation zeigt somit nicht nur die Herausforderungen, vor denen Papst Leo XIV. steht, sondern auch die komplexen Erwartungen, die an ihn gerichtet werden.



