13 Todesfälle unter Obdachlosen in Hamburg: Senatorin verteidigt Hilfesystem
In Hamburg sind seit Jahresbeginn mindestens 13 obdachlose Menschen verstorben. Die Stadt plant, die Todesursachen nach Obduktionen durch das Institut für Rechtsmedizin regelmäßig zu veröffentlichen, um Transparenz zu schaffen. Parallel dazu werden die Hilfsangebote ausgebaut – von neuen Tagesstätten bis zur erweiterten psychiatrischen Versorgung.
Senatorin klärt Umstände der Todesfälle auf
Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) hat erstmals präzise dargelegt, unter welchen Bedingungen die gemeldeten Todesfälle eingetreten sind. „Das geht natürlich auch an mir nicht vorbei, und es bestürzt mich sehr“, sagte sie. Sie wies darauf hin, dass nicht alle Verstorbenen auf der Straße gestorben seien: Von den dreizehn Todesfällen wurden fünf Menschen im öffentlichen Raum aufgefunden, die übrigen starben in Krankenhäusern oder Einrichtungen des Hilfesystems.
Die Stadt will künftig die unterschiedlichen Erfassungsmethoden von Polizei, Staatsanwaltschaft und Sozialbehörde vereinheitlichen, um widersprüchliche Zahlen zu vermeiden. Bislang kursierten Angaben von bis zu 18 Todesfällen, doch Schlotzhauer betonte: „Wir kennen 13 Fälle.“
Maßnahmen während der Kälteperiode
Der sprunghafte Anstieg der Todesfälle zu Jahresbeginn hatte den Eindruck erweckt, viele Menschen seien der Kälte zum Opfer gefallen. Während der extremen Frosttage Anfang Januar blieb das Winternotprogramm ganztägig geöffnet. Zu den Standorten gehören:
- Châu-und-Lân-Straße
- Friesenstraße
- Weitere städtische Unterkünfte
Im Normalbetrieb müssen Obdachlose die Plätze am Vormittag verlassen, doch in der Kältephase durften sie tagsüber bleiben. Streetwork-Teams verteilten Decken und Schlafsäcke und versuchten, auch schwer erreichbare Menschen in die Unterkünfte zu bringen. Das Netzwerk rund um die Bahnhofsmission organisierte spendenfinanzierte Taxis für direkte Fahrten ins Winternotprogramm, und Verkehrsunternehmen verzichteten darauf, Obdachlose aus Bahnhöfen zu verweisen.
Angebote nie vollständig ausgelastet
Nach Angaben der Sozialbehörde war das Winternotprogramm trotz der frostigen Temperaturen nie vollständig belegt. Es ergänzt die ganzjährigen Notübernachtungsstätten:
- Pik As (bis zu 330 Plätze)
- FrauenZimmer (60 Plätze)
Seit November stehen zusätzlich 400 Plätze in der Friesenstraße und 300 Plätze in der Châu-und-Lân-Straße zur Verfügung, betrieben durch das städtische Unternehmen Fördern & Wohnen (F&W). Bei Kirchengemeinden und Hochschulen sind rund 100 weitere Plätze in Containern bereit. „Es gab in diesem Winter nicht einen Moment, wo diese Plätze voll belegt waren“, sagte Schlotzhauer. „Niemand ist abgewiesen worden – weder nachts im Winternotprogramm noch tagsüber in den Tagesaufenthaltsstätten.“
Herausforderungen durch psychische Belastungen
Viele obdachlose Menschen nutzen die Angebote nicht dauerhaft, oft aufgrund von Suchterkrankungen, psychischen Belastungen oder negativen Erfahrungen. Laut der Hamburger Gesundheitsbefragung obdachloser Menschen (2024) gaben 41 Prozent der Befragten psychische oder Suchterkrankungen an – ein Wert, der die hohe gesundheitliche und psychische Belastung in dieser Gruppe unterstreicht.
Im Winternotprogramm gilt ein striktes Alkohol- und Drogenkonsumverbot, was für manche Betroffene eine Hürde darstellt. Daher bietet die Stadt mit der Wärmestube einen geschützten Aufenthaltsraum als „freiwilligen Überlauf“ an. Hier können sich Menschen aufhalten, aufwärmen und zur Ruhe kommen, ohne an die strengen Regeln des Winternotprogramms gebunden zu sein.
Ausbau der Hilfsangebote
Für die kommenden Wochen kündigt die Behörde weitere Schritte an, um die Situation zu verbessern:
- Anfang März: Eröffnung einer neuen Tagesaufenthaltsstätte in der Stresemannstraße
- Ende März: Abschluss des Umbaus von Pik AS, Hamburgs ältestem Obdachlosenheim
- Neuorganisation der Straßensozialarbeit
- Ausbau der psychiatrischen Versorgung, inklusive spezialisierter Unterkünfte für Frauen und Männer
- Frühjahr: Inbetriebnahme der forensischen Institutsambulanz in der Repsoldstraße mit Fokus auf Sucht und Psychosen
Bei der Wohnraumvermittlung verzeichnet die Behörde Fortschritte: 2024 wechselten über 5500 Menschen aus öffentlich-rechtlicher Unterbringung in reguläre Mietverhältnisse. Seit 2017 sind bei Fördern und Wohnen mehr als tausend Wohnungen entstanden.



