Kita-Schließung in Roggentin nach 25 Jahren: Eltern gründen eigenen Verein als Rettungsversuch
Kita-Schließung in Roggentin: Eltern gründen Rettungsverein

Kita in Roggentin steht nach 25 Jahren vor dem Aus: Eltern wehren sich mit neuem Verein

Die Kindertagesstätte 'Am Koppelberg' in Roggentin, einem Ortsteil von Mirow, soll nach 25-jährigem Betrieb zum 31. August dieses Jahres geschlossen werden. Diese überraschende Nachricht traf die Eltern der aktuell betreuten Kinder wie ein Schlag. Besonders betroffen ist Familienvater Frank Rochow, der erst vor wenigen Monaten sein schwerstbehindertes Kind in der Einrichtung untergebracht hatte und auch ein zweites seiner drei Kinder dort betreuen lässt.

'Eine Katastrophe für unsere Familie'

'Das ist für unsere Familie eine Katastrophe', erklärt Frank Rochow mit deutlicher Betroffenheit. 'Auf einer Elternversammlung im März wurde uns die Schließung mitgeteilt. Zwar gibt es Alternativen in Mirow, doch diese Einrichtungen sind nicht barrierefrei und entsprechen nicht unseren Bedürfnissen.' Rochow ist nicht allein mit seiner Ablehnung der Schließung. Mehrere Eltern wollen sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden.

Nachdem Appelle an den bisherigen Trägerverein 'Am Koppelberg' erfolglos blieben, haben engagierte Eltern kurzerhand einen neuen Verein gegründet. 'Unser Verein 'Zukunft Dorf' hat das klare Ziel, die Kita in Roggentin weiterzuführen', erläutert Frank Rochow. Etwa ein Dutzend Eltern hat sich dieser Initiative bereits angeschlossen. 'Es wäre einfacher gewesen, innerhalb der Strukturen des alten Trägervereins weiterzuarbeiten, aber dort führte kein Weg hinein', so Rochow weiter.

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Trägerverein sieht keine Perspektive mehr

Auf der anderen Seite steht Silvia Zachert, die die Kita 'Am Koppelberg' leitet und stellvertretende Vorsitzende des bisherigen Trägervereins ist. 'Wir wollen einen Schlussstrich ziehen, bevor es zu spät ist', erklärt sie. Zachert hat die Kita vor gut 25 Jahren mitgegründet und in dieser Zeit verschiedene Höhen und Tiefen erlebt. 'Wir begannen mit 15 Kindern und hatten zwischenzeitlich eine Betriebserlaubnis für 40 Kinder. Es gab sogar Wartelisten. Doch diese Zeiten sind vorbei.'

Die Kita-Leiterin sieht keine Perspektive für eine Fortführung der Einrichtung. 'Uns fehlen schlichtweg die Anmeldungen. Wir hofften auf eine Besserung der Situation, wie es in der Vergangenheit immer der Fall war. Doch diesmal ist es anders. Der Trägerverein hat die Reißleine gezogen, um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten.' Zusätzlich verschärft wird die Situation durch personelle Engpässe: Von den vier Erzieherinnen gehen zwei in den Ruhestand, und es sei 'ungemein schwierig, Personal zu finden'.

Aus Sicht des Vereins hätten die Eltern nun ausreichend Zeit, für ihre Kinder – zum neuen Schuljahr wären noch 15 Kinder betroffen – alternative Betreuungsplätze zu suchen. 'In Mirow gibt es mehrere Kitas mit ausreichend Plätzen', betont Silvia Zachert.

Neuer Verein 'Zukunft Dorf' kämpft gegen die Zeit

Frank Rochow und seine Mitstreiter glauben dennoch an eine Zukunft für die Kita in Roggentin. Bevor sie den Verein 'Zukunft Dorf' gründeten, erkundigten sie sich bei etablierten Sozialverbänden wie der AWO oder dem DRK, ob diese die Trägerschaft übernehmen würden – allerdings ohne Erfolg. Nun läuft dem neu gegründeten Verein die Zeit davon. 'Es kann bis zu einem Jahr dauern, eine neue Betriebserlaubnis zu erwirken. Wir hoffen auf volle Unterstützung durch die zuständigen Ämter', erklärt Rochow.

Unterstützung signalisiert bereits die Kommune: Roggentin ist ein Ortsteil von Mirow, und Bürgermeister Henry Tesch bestätigt, dass bereits zugesicherte Investitionen für das Kita-Gebäude im Haushalt fest eingeplant sind. Tesch bedauert die Schließung, zeigt aber auch Verständnis für den Schritt des bisherigen Trägervereins. 'Hier wurde mehr als zwei Jahrzehnte hervorragende Arbeit geleistet. Dafür gebührt allen Dank. Dass nach so vielen Jahren und in der aktuellen schwierigen Situation die Kraft schwindet, kann ich verstehen.'

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Ob die Schließung durch den neuen Verein noch abgewendet werden kann, bleibt ungewiss. Frank Rochow zeigt sich jedoch entschlossen: 'Notfalls machen wir für den Übergang als Tageseltern weiter. An Ideen und Kraft fehlt es uns nicht.' Der Kampf um den Erhalt der Kita in Roggentin ist damit noch nicht beendet, sondern hat mit der Gründung des Vereins 'Zukunft Dorf' eine neue Dynamik erhalten.