Güstrow kämpft gegen leere Innenstadt: Bürgermeister setzt auf Mix aus Nutzung und Verweilen
Güstrow: Strategien gegen leere Innenstadtläden

Güstrow setzt auf vielfältige Strategien gegen Leerstand in der Innenstadt

Die Barlachstadt Güstrow steht vor einer ähnlichen Herausforderung wie viele andere Kommunen in Deutschland: Leere Läden und verwaiste Schaufenster prägen zunehmend das Bild der Innenstadt. Bürgermeister Sascha Zimmermann betont jedoch, dass dieses Problem nicht nur Güstrow betrifft, sondern ein flächendeckendes Phänomen ist. „Die Menschen halten sich lieber dort auf, wo es ein umfassendes und großes Angebot gibt“, erklärt er und verweist dabei auf größere Städte wie Rostock.

Online-Handel und verändertes Sozialverhalten als Ursachen

Zimmermann identifiziert zwei Hauptgründe für den Rückgang der Innenstadtbelebung: Der Online-Handel zieht erhebliche Kaufkraft ab, und das Sozialverhalten der Jugendlichen hat sich gewandelt. Viele junge Menschen gehen seltener aus und bestellen stattdessen vermehrt online. Der Bürgermeister appelliert daher regelmäßig an die Jugend, lokal einzukaufen und wirbt für die zahlreichen inhabergeführten Läden, die mit ihrer liebevollen Einrichtung ein besonderes Flair bieten.

Gleichzeitig betont er den Wert der Heimat: „Viele Besucher staunen über die Schönheit Güstrows. Es wäre wünschenswert, wenn auch die Einwohner diesen Wert erkennen und schätzen würden“. Die Stadt selbst kann Anreize schaffen, um die Attraktivität zu steigern.

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Maßnahmen und Veranstaltungen zur Belebung

Güstrow plant eine Reihe von Initiativen, um die Innenstadt wiederzubeleben. Dazu gehören:

  • Die Entwicklung eines neuen Corporate Designs für einen modernen Auftritt, insbesondere im Hinblick auf die anstehende 800-Jahrfeier.
  • Veranstaltungen wie der Tag der Städtebauförderung, ein Stadtfest, das erste Weinfest und der Tag der Galeriemeile.
  • Die Einbindung von Vereinen in Events wie „Musik in der Altstadt“.
  • Pop-up-Gastronomie und Mitmach-Formate, beispielsweise eine Blumenmeile.

Bürgermeister Zimmermann zeigt sich offen für weitere Ideen und betont die Bedeutung von Kooperation. Ein Beispiel ist die Erlaubnis für die Bäckerei Junge, auch sonntags zu beliefern.

Herausforderungen bei Leerständen und großen Objekten

Der Umgang mit leer stehenden Geschäften stellt eine der größten Hürden dar. Oftmals ist die Eigentümerstruktur komplex, und einige Besitzer zeigen kein Interesse an einer Vermietung oder Verpachtung. Die Stadt fördert weiterhin Laden-Neuansiedlungen, doch nicht jeder Antrag ist förderfähig, wie Zimmermann einräumt. Jeder Fall muss individuell geprüft werden.

Bei zentralen Objekten wie dem Postgebäude und dem ehemaligen Hotel Stadt Güstrow ist die Verwaltung in laufenden Verhandlungen mit den Eigentümern. Zimmermann ist zuversichtlich, dass beide Projekte noch in diesem Jahr angegangen werden können. Allerdings sind diese historischen Gebäude aufgrund ihrer Struktur schwer vermarktbar, da sie denkmal- und behindertengerechte Lösungen erfordern.

Mischnutzungen und kleine Anreize zum Verweilen

Ein weiterer Ansatz ist die Förderung von Mischnutzungen. So wird demnächst eine Zahnarztpraxis direkt am Markt eröffnen. Zudem lobt der Bürgermeister Läden, die sich zeitgemäß neu erfinden, wie die Galerie „Kunst am Dom“, die nun vorrangig als Rahmenwerkstatt fungiert, oder das Café- und Bücher-Konzept von „Saltkrokan“.

Um das Verweilen in der Innenstadt angenehmer zu gestalten, schafft Güstrow kleine Anreize:

  • Vergleichsweise günstige Parkmöglichkeiten, mit zusätzlichen Plätzen am Markt.
  • Installation von Bänken, Fahrradbügeln, Trinkwasserspendern und einem Wasserspiel am Markt für einen ausgewogenen Mix zwischen Nutzung und Wohlfühlfläche.

Verantwortung der Bürger für die Stadtattraktivität

Abschließend betont Sascha Zimmermann, dass auch die Güstrower selbst eine Mitverantwortung für die Attraktivität ihrer Stadt tragen. Themen wie Unrat, Schmierereien durch Aufkleber oder Graffiti sowie Hundekot ärgern den Bürgermeister regelmäßig. Sein Traum ist es, dass die Innenstadt wieder lebendig wird: „Es wäre ideal, wenn die Menschen in den Gaststätten und auf den Bänken den Platz beleben und ihren Ort genießen – ähnlich wie in Italien“.

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Insgesamt zeigt Güstrow mit einem Mix aus Förderungen, Veranstaltungen und bürgerschaftlichem Engagement, dass die Belebung der Innenstadt ein vielschichtiger Prozess ist, der Geduld und Zusammenarbeit erfordert.