Die Hansestadt Rostock hat ein neues Parkraumkonzept für die Steintor-Vorstadt beschlossen. Das Konzept sieht vor, dass mehr als 1000 Parkplätze bewirtschaftet werden – das bedeutet höhere Gebühren und weniger kostenlose Stellplätze. Selbst Anwohner müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Bürgerschaft verabschiedete das Konzept am 22. April nach jahrelangen Debatten. Für die einen ist es ein Schritt zu mehr Lebensqualität, für die anderen eine „Wette gegen die Realität“.
Hintergrund: Warum ein neues Parkkonzept?
Das Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme (IVAS) aus Dresden erstellte das Konzept im Auftrag der Stadt. Grund sind die zunehmenden Probleme durch parkende Autos in der Steintor-Vorstadt. „In mehreren Straßen haben wir inzwischen gravierende Zustände: Rettungsfahrzeuge kommen aufgrund zugeparkter Straßen nicht oder nur verzögert an ihr Ziel“, erklärte Hannes Möller (Linke). Das gefährde im Ernstfall Menschenleben. Zudem blockierten Autos die Bürgersteige, sodass Fußgänger, Eltern mit Kinderwagen und Menschen mit Rollatoren auf die Fahrbahn ausweichen müssten. „Für sichere und nutzbare Gehwege zu sorgen, ist keine Option, sondern unsere Pflicht“, so Möller.
Kritik der FDP: Keine neuen Parkplätze
Julia Kristin Pittasch (FDP), Fraktionsvorsitzende der FDP/Unabhängige, kritisierte das Konzept scharf. Es schaffe „keinen einzigen neuen Parkplatz“. Zudem monierte sie die geplante Erhöhung der Bewohnerparkgebühren um aktuell 500 Prozent – von etwa 30 Euro auf rund 180 Euro pro Jahr. Perspektivisch sei sogar eine Steigerung um 1000 Prozent auf bis zu 365 Euro jährlich vorgesehen. Pittasch warnte vor negativen Folgen für Gewerbetreibende in der Gegend.
Daten aus EU-Projekt untermauern Parkdruck
Bausenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Grüne) stützte sich in ihrer Argumentation auf Daten des EU-Projekts NXTLVL Parking, das seit Mai 2023 in Rostock läuft. Die Analyse bestätige einen hohen Parkdruck bei rund 1400 Stellplätzen im Quartier, von denen etwa 87 Prozent unbewirtschaftet und damit kostenlos seien. Rund 40 Prozent der Fahrzeuge seien Dauerparker, die sich den ganzen Tag nicht bewegten.
Die geplanten Maßnahmen im Detail
Das Konzept sieht eine Kombination aus Bewohnerparken, gebührenpflichtigen Stellplätzen und Mischgebieten vor. Die Steintor-Vorstadt wird in die Zonen A6 (West/Mitte) und A5 (Ost) geteilt, getrennt durch die Richard-Wagner-Straße. Entlang der August-Bebel-Straße, Am Vögenteich, Richard-Wagner-Straße, Blücherstraße und auf Verbindungsstraßen sollen Parkscheinautomaten aufgestellt werden. In engen Wohnstraßen ist reines Bewohnerparken vorgesehen.
Wegfall von Parkplätzen
Etwa 150 Parkplätze fallen weg, um rechtssichere Gehwegbreiten und freie Rettungswege zu gewährleisten. Künftig stehen noch rund 1.270 Stellplätze im öffentlichen Straßenraum für die 7.600 Einwohner zur Verfügung (A6: 948, A5: 322).
Gebührenpflichtige und reine Bewohnerparkplätze
In Zone A6 werden etwa 490 Plätze gebührenpflichtig (davon rund 74 Prozent für Bewohner mit Parkausweis nutzbar) und 434 ausschließlich für Anwohner ausgewiesen. In Zone A5 gibt es künftig 177 gebührenpflichtige und 125 reine Bewohnerplätze.
Zeitplan und Alternativen für Pendler
Die Verwaltung plant die schrittweise Einführung der Parkraumbewirtschaftung ab dem 3. Quartal 2027, abgestimmt mit dem geplanten Parkhaus am Bahnhof. Pendler könnten dort ihr Auto abstellen und mit der Straßenbahn weiterfahren, so Fischer-Gäde. Damit werde teilweise Ersatz für wegfallende Stellplätze geschaffen.
Straßen mit neuen Parkregeln
Das Konzept listet detailliert auf, wo künftig welche Regelungen gelten:
Ausschließlich gebührenpflichtiges Parken:
- August-Bebel-Straße – direkte Lage zur Altstadt, Hauptverkehrsstraße
- Hermannstraße (kurzer nördlicher Abschnitt) – wichtige Fußgängerachse
- Am Vögenteich – Hauptverkehrsstraße
- St.-Georg-Straße (kurzer Abschnitt am Leibnizplatz) – anliegende Institutionen, Gewerbe
- Richard-Wagner-Straße – Hauptverkehrsstraße, anliegende Gewerbe
- Blücherstraße – Hauptverkehrsstraße
- Bleicherstraße – Verbindungsstraße zur Altstadt
- Nördliche Bahnhofstraße – Verbindungsstraße zur Altstadt, anliegendes Gewerbe
Gebührenpflichtiges Parken oder Parken für Anwohner mit Ausweis (Mischprinzip):
- Karlstraße – Anwohnerstraße mit vereinzeltem Gewerbe und Zugang zur St.-Georg-Schule
- Brandesstraße/ Gerhart-Hauptmann-Straße – Anwohnerstraße mit vereinzeltem Gewerbe
- Hermannstraße (Mitte & Süd) – Anwohnerstraße mit vereinzeltem Gewerbe und Zugang zu Parkanlage
- Reiferweg – Anwohnerstraße mit Gewerbe und Ärztehaus
- Nördlicher Teil Ludwigstraße – Anwohnerstraße mit Zugang zur St.-Georg-Grundschule
- Paulstraße – Anwohnerstraße mit Zugang Ärztehaus und Parkanlage
- St.-Georg-Straße (Ost und West) – vereinzeltes Gewerbe, Zugang St.-Georg-Grundschule
- Goetheplatz
Eingeschränktes Parkverbot, Bewohner mit Parkausweis frei (Trennprinzip):
- Schröderstraße
- Südlicher Teil Ludwigstraße
- Zelckstraße
- Paulstraße (Nord)
- Brandesstraße
- Grüner Weg
- Reifergraben
- Thomas-Mann-Straße
- Kurze Straße
- Augustenstraße
- St.-Georg-Straße (Mitte)
- Herderstraße
- Wielandstraße
- Am Güterbahnhof
- Ferdinandstraße
- Südliche Bahnhofstraße
- Neue Bleicherstraße
Quelle: Parkraumkonzept Steintor-Vorstadt Abschlussbericht (erstellt von IVAS Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme)



