Templin: Wohnungsbau trotz geringem Leerstand notwendig
Die Kleinstadt Templin in der Uckermark steht vor einer besonderen Herausforderung: Obwohl der aktuelle Wohnungsleerstand mit nur 3,5 Prozent äußerst niedrig ist und die Nachfrage nach Wohnungen bei den großen Wohnungsunternehmen WOBA und WBG sogar das Angebot übersteigt, drängt die Stadt auf zusätzlichen Wohnungsbau. Hintergrund sind demografische Prognosen, die einen weiteren Bevölkerungsrückgang vorhersagen, den Templin nur durch gezielten Zuzug abfedern kann.
Demografische Entwicklung zwingt zum Handeln
Bereits 2017 prognostizierte die LPG Landesplanungsgesellschaft im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030 (INSEK 2030) einen rechnerischen Überhang von 500 bis 840 Wohnungen für das Jahr 2030. Damals ging man von nur noch 13.988 Einwohnern aus. Ein aktuelles Stadtbaumonitoring von 2024 bestätigt den Trend: Während Templin 2016 noch 16.235 Einwohner zählte, waren es 2024 nur noch 15.797. Ursache ist ein deutlicher Sterbeüberschuss, der nur teilweise durch positive Wanderungssalden ausgeglichen werden kann.
„Die Wanderungsgewinne sind also wichtig für Templin“, betonte Fachbereichsleiterin Thekla Seifert bei der Vorstellung der Ergebnisse im Stadtentwicklungsausschuss im März 2026. Die Zahl der Heimkehrwilligen nehme zu, begünstigt durch Homeoffice-Möglichkeiten – vorausgesetzt, die Stadt biete passenden Wohnraum.
Wohnungsmarkt im Wandel
2024 gab es in Templin 9.027 Wohnungen, gegenüber 8.263 im Jahr 2014. Die großen Wohnungsunternehmen WOBA Templin-UM, die Wohnungsbaugenossenschaft und das KWU Prenzlau-Land verfügen gemeinsam über 2.995 Wohnungen. Gleichzeitig sinkt die Haushaltsgröße kontinuierlich: Lag sie 2015 noch bei 1,95 Personen pro Haushalt, waren es 2022 nur noch 1,87. Dieser Trend bedeutet, dass für die gleiche Anzahl Einwohner künftig mehr Wohnungen benötigt werden.
Prognose: Leerstand könnte deutlich steigen
Die Planer der LPG gehen davon aus, dass bei prognostizierten 15.169 Einwohnern im Jahr 2030 und einem Wohnungsbestand von 9.111 Wohneinheiten bereits 956 Wohnungen leer stehen könnten. Dies würde einer Leerstandsquote von 10,5 Prozent entsprechen. Bis 2040 könnte sich diese Rate sogar auf 15 Prozent erhöhen. Gleichzeitig betonen die Experten, dass eine Stabilisierung der Einwohnerzahl nur über Zuzüge erreichbar ist.
„Dazu müsse es gezielte Maßnahmen zur Attraktivierung der Stadt, als Wohn- und Arbeitsstandort und zur Daseinsvorsorge geben“, so Thekla Seifert. Die Stadtverordneten sehen sich in ihrer Forderung nach weiteren Baulandausweisungen bestätigt. Franz Christoph Michel (CDU) verwies auf die Notwendigkeit zusätzlicher Bauflächen, während Uwe Göritz (Linke) vor Leerstand in Eigenheimen bei der älter werdenden Bevölkerung warnte.
Verdichtung als Lösung
Die Planer identifizieren innerstädtische Verdichtungspotenziale vor allem in Nord- und Südstadt. Bereits im Januar beantragte Templin die Ausweitung und Ergänzung der Wohnraumförderkulissen. Die beiden großen Wohnungsunternehmen haben in der Südstadt bereits viel investiert, was sich jetzt durch hohe Nachfrage auszahlt. Künftiger Wohnungsneubau soll sich auf höherwertigen und barrierefreien Wohnraum konzentrieren, während gleichzeitig der Abriss leerstehender industrieller Wohnungsbauten in den Ortsteilen erwogen wird.
Templin steht damit exemplarisch für viele ländliche Kommunen in Deutschland: Trotz aktuell guter Auslastung des Wohnungsbestands erfordern demografische Trends strategische Planung, um langfristig attraktiv für Zuzug zu bleiben und Leerstand zu vermeiden.



